Wieder fallen Züge aus GDL will erneut streiken – Bahn: „Völlig überflüssig“

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Erneut werden viele Züge nicht fahren – ab Samstag im Güter- und ab Montag im Personenverkehr. Die Bahn kritisierte die erneuten Streikpläne der GDL. Deren Chef Claus Weselsky holte in einer Reaktion zum Rundumschlag aus, unter anderem auch gegen SPD-Politiker Karl Lauterbach.

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Zwischen 23. und 25. August werden aller Voraussicht nach wieder viele Züge stillstehen.
Zwischen 23. und 25. August werden aller Voraussicht nach wieder viele Züge stillstehen.
(Bild: Patrick Kuschfeld)

Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen sich von Montag bis Mittwoch (23.-25. August) auf einen erneuten Streik einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer hat ihre Mitglieder zum zweiten Mal in der laufenden Tarifrunde aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. „Sie streiken für mehr Löhne, für den Schutz ihrer Rente“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag in Berlin. Die Wut unter den Mitgliedern auf das Management sei groß.

Anders als in der vergangenen Woche haben die Fahrgäste dieses Mal mehr Zeit, sich auf den Streik einzustellen. Im Güterverkehr soll der Ausstand jedoch schon am Samstagnachmittag um 17 Uhr beginnen. Im Personenverkehr soll der Streik am Montag um 2 Uhr beginnen und am Mittwoch um 2 Uhr enden.

Bahn: GDL „verweigert sich permanent“

Die Deutsche Bahn hat den angekündigten Streik der Lokführergewerkschaft GDL als „völlig überflüssige“ Belastung der Kunden kritisiert. „Dieser zweite Ferienstreik zeigt: Ein Tarifpartner verweigert sich permanent“, teilte Personalvorstand Martin Seiler am Freitag mit. „Statt den Mut zu haben, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, treibt die GDL-Führung ihren gewerkschaftspolitischen Kampf um Ausweitung und Einfluss auf dem Rücken der Bahnkunden auf die Spitze.“

Zugleich kündigte die Bahn an, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. Trotzdem müsse mit Beeinträchtigungen gerechnet werden. Der Konzern werde sich „maximal kulant“ verhalten.

Die GDL wies die Kritik der Bahn zurück. „Es ist nicht das Ziel der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner in Deutschland, den Eisenbahnverkehr lahm zu legen“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag in Berlin. „Sondern es ist das Ziel, bessere Einkommen zu erreichen, die Kleinstrente zu schützen.“

Weselsky vs. „Gesundheitspapst“ Lauterbach

Auch den Warnungen von SPD-Politiker Karl Lauterbach, der gesagt hatte, dass der Streik zu mehr Corona-Infektionen führen könne, widersprach Weselsky. „Der Gesundheitspapst der Sozialdemokraten, Lauterbach, schwingt sich dazu auf, die Grundrechte der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner mit Füßen zu treten“, sagte das CDU-Mitglied. Er sprach von Schmutzkampagnen gegen die Gewerkschaft. Zudem zitierte er das Konzernmanagement, das wiederholt betont hatte, dass Bahnfahren in Hinblick auf Ansteckungen sicher sei.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte sich zuvor ebenfalls besorgt wegen möglicher Infektionsrisiken gezeigt. Man müsse fragen, ob in Corona-Zeiten Streiks überhaupt sinnvoll seien, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann bei N-TV.

In der vergangenen Woche hatte die GDL den Fern-, und Nahverkehr bei der Deutschen Bahn über zwei Tage bestreikt. Die Deutsche Bahn richtete einen Notfahrplan ein, musste den größten Teil der Fahrten aber streichen. Im Güterverkehr dauerte der Streik noch einige Stunden länger.

Auch der erneute Streik dürfte wieder Millionen Fahrgäste treffen, darunter viele Urlaubsreisende. In zehn Bundesländern sind noch Schulferien.

Die GDL kämpft unter anderem für eine bessere Bezahlung und fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren.

Die Deutsche Bahn hatte der GDL zwar 3,2 Prozent angeboten, die Erhöhung soll demnach jedoch später greifen als von der Gewerkschaft gefordert. Auch bei der Laufzeit des Tarifvertrags liegen die Vorstellungen beider Seiten noch deutlich auseinander.

Die GDL hatte die Verhandlungen im Juni abgebrochen. Die Mitglieder hatten daraufhin in einer Urabstimmung für Streiks gestimmt. Am Dienstag demonstrierten Mitglieder der GDL sowie des Deutschen Beamtenbunds (dbb) gemeinsam mit Weselsky vor der Konzernzentrale der Deutschen Bahn für ihre Forderungen.

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