Mobilitätsanbieter Flixbus-Chef: „Am Ende kommt es uns auf ein, zwei, drei Monate nicht an“

Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Der Mobilitätsanbieter Flixbus rechnet erst ab Sommer damit, wieder Fernbusse auf die Straßen schicken zu können. Wie es um das junge Unternehmen steht und warum es bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen die Deutsche Bahn eingelegt hat.

2020 ruhte in Deutschland monatelang der Flixbus-Betrieb, derzeit stehen die grünen Busse seit Anfang November still.
2020 ruhte in Deutschland monatelang der Flixbus-Betrieb, derzeit stehen die grünen Busse seit Anfang November still.
(Bild: Flixbus)

Nach einem dramatischen Einbruch des Geschäfts rechnet Flixbus im neuen Jahr nicht damit, dass die Busse sehr bald wieder wie gewohnt fahren. „Wir haben ein klares Ziel, worauf wir hinarbeiten, nämlich Sommer und zweite Jahreshälfte 2021“, sagte Geschäftsführer André Schwämmlein der Deutschen Presse-Agentur. Wie in diesem Jahr werde man sich beim Hochlauf aber stark an der Nachfrage orientieren.

„Der Anspruch ist da, dass wir wieder ein großes, flächendeckendes Netz haben und von der kalifornischen Küste bis in die Osttürkei fahren“, sagte Schwämmlein. Er fügte hinzu: „Am Ende kommt es uns auf ein, zwei, drei Monate nicht an.“ Zunächst sei es wichtig, die Corona-Pandemie zu überwinden.

Flixbus und das Corona-Jahr

2020 ruhte in Deutschland monatelang der Betrieb, derzeit stehen die grünen Busse seit Anfang November still. Der geplante Neustart zu Weihnachten wurde abgesagt. Insgesamt ist Flixbus in 30 Ländern aktiv. „Wir gehen davon aus, dass wir knapp unter 50 Prozent des Vorjahres an Passagieren haben. Weltweit sind es damit weniger als 30 Millionen“, bilanzierte Schwämmlein das Jahr 2020.

Im wichtigsten Markt Deutschland wurden 2019 noch 22 Millionen Fahrgäste gezählt. Hier ist der Rückgang aber besonders stark. „Deutschland liegt unter unserem gruppenweiten Durchschnitt, weil wir hier längere Phasen von Reisebeschränkungen hatten als in anderen Ländern.“

Fallen Kontakt- und Reisebeschränkungen, sieht Schwämmlein sein Unternehmen Flixmobility gut aufgestellt. Es transportiert mit Bussen (Flixbus) und einigen Zügen (Flixtrain) vor allem junge Fahrgäste. „In China hat man gesehen: Die Jungen reisen dort schneller wieder als die Alten, Reisen am Boden erholt sich schneller als in der Luft. Da sind wir gut positioniert.“

Busunternehmen in der Krise

Flixbus hat keine eigenen Fahrzeuge, sondern koordiniert und vermarktet Fahrten bei mittelständischen Busunternehmen. Von ihnen habe der Großteil die Krise bisher überstanden. Viele hätten aber Schwierigkeiten, vor allem mit den Leasingraten für die Fahrzeuge.

„Das sind viele Betriebe in der zweiten, dritten Generation, die 50 Jahre gut gewirtschaftet haben“, sagte Schwämmlein. Besonders die Mittelständler brauche in Deutschland dringend mehr staatliche Unterstützung. Länder wie Italien und Dänemark förderten sie mehr.

Gleichzeitig kämpft Flixmobility seit Monaten gegen Finanzspritzen, mit denen der Bund den größten Konkurrenten unterstützen will, den Staatskonzern Deutsche Bahn (DB). Auch eine Beschwerde bei der EU-Kommission wurde eingelegt. „Die DB nutzt die Sondersituation arg aus, um die Wettbewerbssituation zu verzerren“, kritisierte Schwämmlein.

Flixtrain: Netz vergrößern

Fair wäre es aus seiner Sicht gewesen, die Gebühr für die Schienennutzung zu senken. Diesen Trassenpreis zahlt auch der Fernverkehr der Bahn an die konzerneigene Netzgesellschaft. „Dadurch hätte DB Fernverkehr weniger Verlust gemacht, wir aber auch in gleichem Maße“ erklärte Schwämmlein. Er kritisierte auch, dass die Bahn trotz geringer Fahrgastzahlen fast alle Züge fahren lässt.

Flixtrain fuhr zuletzt auf den Strecken Aachen-Berlin und Köln-Hamburg. Für den Betrieb auf der Strecke Stuttgart-Berlin wird ein neuer Partner gesucht. „Wir wollen 2021 die Trassen nutzen, die wir jetzt haben“, sagte Schwämmlein. „Und der Anspruch ist nicht nur, dass wir Flixtrain wieder starten, sondern das Netz auch vergrößern.“

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