Schadstoffnormen Fallen ausgerechnet Kleinwagen den neuen Abgasregeln zum Opfer?

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Die Abgasnachbehandlung für konventionelle Motoren wird immer teurer und auch E-Antriebe treiben Preise hoch. Es wird eng für Kleinwagen. Selbst hinter dem Klassiker Polo steht offenbar ein Fragezeichen. Doch nicht alle haben die Winzlinge schon abgeschrieben.

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Bestseller im Kleinwagen-Segment im August 2018: VW Polo, 7.126 Neuzulassungen
Bestseller im Kleinwagen-Segment im August 2018: VW Polo, 7.126 Neuzulassungen
(Bild: VW)

Einen Neuwagen für weniger als 10.000 Euro und Kleinwagen, die mit nicht einmal vier Metern Länge in jede Parklücke passen? Was heute die Budgets insbesondere von jungen Menschen, Fahranfängern und die staugeplagten Innenstädte teilweise entlastet, könnte schon bald Geschichte sein.

Denn um Verbrenner für künftige Schadstoffnormen zu wappnen oder dem Trend zur Elektrifizierung zu folgen, müssen Hersteller so viel Geld in die Autos stecken, dass Kleinwagen deutlich teurer werden und deshalb weitgehend vom Markt verschwinden könnten.

Warum werden die Kleinen teurer?

„Eine Umsetzung der diskutierten EU7-Szenarien wäre nur mit tiefgreifenden technischen Maßnahmen möglich, die aufwendig und damit sehr kostenintensiv sind“, sagt Frank Welsch als Qualitätschef des VW-Konzerns. Er blickt auf die nächste Stufe der Europäischen Abgasnormen, die gerade für Mitte des Jahrzehnts diskutiert und definiert werden. Mildhybride, wie sie zumindest von der Mittelklasse aufwärts bereits Standard sind und so langsam in die Kompaktklasse diffundieren, würden da kaum reichen.

Um tatsächlich auf die geforderten CO2-Werte zu kommen, müssten deutlich stärkere E-Motoren und größere Pufferakkus eingebaut werden.

Von einer erweiterten Abgasnachbehandlung im Kampf gegen Stickoxide und Kohlenmonoxid ganz zu schweigen. „Das würde die meisten Fahrzeuge deutlich verteuern“, ist Welsch überzeugt und befürchtet, dass dieser Aufpreis im besonders sensiblen Segment der Kleinwagen für viele nicht mehr tragbar wäre.

„Erschwingliche Einstiegsfahrzeuge mit Verbrennungsmotor würden damit definitiv der Vergangenheit angehören“, sagt Welsch. Sein Chef Herbert Diess wird da sogar noch deutlicher: Einem Nachfolger für den Kleinwagen Up hat er bereits eine Absage erteilt und selbst hinter den Polo macht er unter diesen Umständen ein dickes Fragezeichen.

Je teurer das Auto, desto eher lohnt sich das

Nicht ohne Grund, sagt Professor Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Je günstiger ein Fahrzeug ist, desto höher fällt der zusätzliche Anteil der Kosten für die verbesserte Abgasreinigung aus. Und desto schwieriger werde es sein, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben, so der Automobilwirtschaftler.

In der Oberklasse und im Premiumsegment schlage das anteilig nicht so stark zu Buche und könne besser refinanziert werden. „Doch kleinere Autos sind dann praktisch unverkäuflich und dürften eingestellt werden.“

Ganz so weit geht mag Andreas Radics vom Strategieberater Berylls in München zwar nicht gehen, doch erwartet auch er dramatische Veränderungen im Angebot: Die Modellauswahl werde deutlich dünner ausfallen und die Generationsfolge werde verzögert: „Verbleibende Modelle werden nur dann weiter zum Programm gehören können, wenn ihre Modelllaufzyklen erheblich verlängert werden, damit sich die Entwicklungskosten amortisieren.“

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