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„Es ist nicht immer sinnvoll, Bürgersteige mit Ladesäulen zu pflastern“

Autor: Christoph Seyerlein

Die Autoindustrie fordert von deutschen Kommunen mehr Initiative beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Doch wie sehen die Städte das selbst? Wir haben bei Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, nachgefragt.

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Öffentliche Ladepunkte sind laut Helmut Dedy vom Deutschen Städtetag „nicht das Rückgrat der Ladeinfrastruktur“.
Öffentliche Ladepunkte sind laut Helmut Dedy vom Deutschen Städtetag „nicht das Rückgrat der Ladeinfrastruktur“.
(Bild: Seyerlein)

Am Dienstagabend ist es mal wieder soweit: In Berlin heißt es Autogipfel. Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden kommen zusammen, um aktuelle Brennpunkte in Deutschlands Leitindustrie zu besprechen. Ein Thema, das ganz oben auf der Agenda stehen wird: Ladeinfrastruktur.

Die Auto-Lobby hatte zuletzt den Druck auf die Kommunen in Deutschland erhöht. Sie fordert mehr Initiative beim Ausbau öffentlicher Ladepunkte. Derzeit gibt es hierzulande gut 33.000 öffentliche Ladepunkte. Nicht genug, meint Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Sie hatte den Städten zuletzt „erheblichen Rückstand“ unterstellt.

Und auch VW-Vorstand Thomas Ulbrich hatte gewarnt: „Mit dem, was jetzt an Fahrzeugen dazukommt, muss man sagen: Die Ladeinfrastruktur ist damit ausgereizt.“ Aktuell kämen auf eine Ladesäule 14 E-Autos (inklusive Plug-in-Hybride). Das ginge noch in Ordnung, schon 2025 brauche man aber „mindestens 300.000 öffentliche Ladepunkte“, wenn es mit dem Wachstum bei der Elektromobilität so weitergehe.

Das sagt der Städtetag

Doch wie sehen die Kommunen selbst das Thema? Wir haben bei Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, nachgefragt.

Redaktion: Herr Dedy, verschlafen Deutschlands Kommunen die Elektromobilität oder blockieren diese gar?

Helmut Dedy: Die Kommunen setzen auf E-Mobilität. Die Städte rüsten den öffentlichen Nahverkehr um und beschaffen neue E-Busse. Sie nutzen Elektrofahrzeuge im eigenen Fuhrpark und sie stellen privilegierte Parkplätze bereit, wo das Auto nicht nur geparkt, sondern auch geladen werden kann.

Helmut Dedy ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags.
Helmut Dedy ist Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags.
(Bild: Deutscher Städtetag)

In der Kritik stehen Städte und Gemeinden aber vor allem wegen des vermeintlich schleppenden Ausbaus der öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Den Ausbau der Ladeinfrastruktur fördern die Städte, indem sie für diesen Zweck Grund und Boden zur Verfügung stellen. Sie helfen zudem bei Genehmigungen und springen finanziell dort ein, wo Ladeinfrastruktur noch nicht wirtschaftlich betrieben werden kann.

Und das reicht in Ihren Augen aus?

Dank umfangreicher weiterer Förderungen des Bundes und der Länder sind wir zuversichtlich, den Ausbau der E-Ladeinfrastruktur in den Städten so beschleunigen zu können, dass er stets mit der wachsenden Anzahl neu zugelassener Elektrofahrzeuge mithalten kann.

Das bloße Austauschen von Verbrenner-Fahrzeugen gegen E-Autos allein reicht nicht, um die Wende hin zu einem nachhaltigen und klimaschonenden Verkehr zu schaffen.

Helmut Dedy

Gerade in größeren Städten haben viele Haushalte keine Möglichkeit, zuhause zu laden. Müsste dort nicht deutlich mehr passieren?

Damit sich die Elektro-Mobilität in Deutschland durchsetzt, brauchen wir eine ausreichende Anzahl an Ladepunkten. Es ist aber nicht sinnvoll, in jeder Stadt die Bürgersteige mit Ladesäulen zu pflastern. Denn die allermeisten Ladevorgänge finden am Arbeitsplatz oder zu Hause statt. Wer unterwegs ist, muss auch vor Geschäften, in Parkhäusern oder an Tankstellen sein Fahrzeug laden können. Ladepunkte im öffentlichen Raum der Städte können das Angebot ergänzen – sie sind aber nicht das Rückgrat der Ladeinfrastruktur.

Sehen Sie in der Elektromobilität den entscheidenden Hebel für die Verkehrswende in Deutschland?

Das bloße Austauschen von Verbrenner-Fahrzeugen gegen E-Autos allein reicht nicht, um die Wende hin zu einem nachhaltigen und klimaschonenden Verkehr zu schaffen. Wir müssen erreichen, dass mehr Menschen das Auto stehen lassen. Die Angebote von Bus und Bahn, die Wege und Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger werden deshalb von den Städten ausgebaut und attraktiv gestaltet. Nur so können wir die Klimaziele erreichen und gleichzeitig die Lebensqualität in den Städten erhöhen.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«