Alle zehn Kilometer Ein Start-up und eine Supermarkt-Kette versprechen Deutschlands „erstes flächendeckendes Schnellladenetz“

Das Allgäu als Vorzeige-Region für Elektroauto-Schnellladen. Das will Numbat hinbekommen und hat dafür mit Feneberg nun einen Großkunden an Bord. Womit sich das Start-up von anderen Ladesäulen-Anbietern abheben will.

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Ab dem dritten Quartal 2022 will Feneberg seine Filialen mit Numbat-Säulen ausstatten.
Ab dem dritten Quartal 2022 will Feneberg seine Filialen mit Numbat-Säulen ausstatten.
(Bild: Numbat)

Das Allgäu ist vor allem bekannt für Berge, Skipisten, Seen und Käse. Ab dem kommenden Jahr soll es auch ein Hotspot für Elektromobilität sein. Dafür wollen das Start-up Numbat und die Supermarkt-Kette Feneberg gemeinsam sorgen. Nicht weniger als „das erste flächendeckende Schnellladenetz in Deutschland“ soll in einem Umkreis von 100 Kilometern zwischen Kempten und dem Bodensee im Westen, Ulm und München im Norden, Garmisch-Partenkirchen im Osten und Oberstdorf im Süden entstehen. Durchschnittlich alle zehn Kilometer eine Schnelllademöglichkeit haben sich die Partner vorgenommen.

Vorstellbar macht das einerseits das Feneberg-Filialnetz. An 82 Standorten ist die Lebensmittel-Kette in der Region vertreten. In einem ersten Schritt will die Geschäftsleitung mehr als die Hälfte davon mit Ladeinfrastruktur ausstatten. Nico Fischer, Bereichsleiter Bau-, Gebäude- und Energiemanagement, erklärt: „Als nachhaltige Supermarktkette sehen wir uns zunehmend mit der Herausforderung konfrontiert, dass wir unseren Kunden eine Möglichkeit zum schnellen Laden Ihres Elektrofahrzeugs während des Einkaufs anbieten müssen.“ Für Feneberg müsse das aber auch wirtschaftlich darstellbar sein. In vielen bestehenden Modellen seien die Kosten für Installation, Anschaffung und Betrieb zu hoch.

Aufstellen ohne größere Baumaßnahmen

An der Stelle kommt Numbat ins Spiel. Das Start-up hat einen 2,40 Meter hohen Kasten entwickelt, der Schnellladesäule und Batteriespeicher zugleich ist. Das Konstrukt kann also sowohl Strom abgeben als auch speichern. Ersteres gelingt nach Angaben des Unternehmens richtig schnell: 300 kW Ladeleistung sind möglich, wenn zwei E-Autos gleichzeitig laden jeweils 150 kW. Eine Viertelstunde sollte bei Fahrzeugen, die für so schnelles Laden ausgelegt sind, ausreichen, um die Akkus zu 80 bis 90 Prozent nachzufüllen.

Ein Clou des Systems: Dank des integrierten Speichers ist kein Anschluss an das Mittelspannungsnetz nötig. Das macht es für Kunden deutlich günstiger, müssen sie doch keine größeren Baumaßnahmen wie beispielsweise Trafohäuschen vornehmen. Alleine derartige Eingriffe in die Infrastruktur kosten im Normalfall etwa 150.000 Euro. Völlig konkurrenzlos sind die Allgäuer mit ihrer Idee allerdings nicht: Beispielsweise stellt mit der Volkswagen Group Components ein großer Name ebenfalls Schnellladesäulen mit integrierten Batteriespeichern her.

Wie viel genau Firmen für eine Numbat-Säule investieren müssen, verrät das Start-up auf Nachfrage nicht. Das Start-up setzt im Vertrieb auf ein Betreibermodell. Heißt: Firmen wie Feneberg werden nicht selbst zum Schnellladeanbieter, sondern buchen dafür die Hardware sowie die Dienstleistungen bei Numbat. Ein Sprecher des Start-ups erklärt: „Wir stellen den Numbat mit einer niedrigen monatlichen Rate als Betreiber zur Verfügung. Grund ist, dass wir durch die Energiemanagement-Software beim angeschlossenen Markt Strom einsparen und an diesen Einsparungen partizipieren.“ In einem Interview mit der Allgäuer Zeitung sagte Co-Gründer Maximilian Wegener, dass die Kosten pro Säule für Numbat bei etwa 150.000 Euro lägen.

Bei den Preisen für das Laden will sich Numbat am Markt orientieren. Vorstellbar seien beispielsweise rund 55 Cent pro Kilowattstunde. Allerdings sei es auch möglich, dass diese durch Kooperationen mit Kunden wie etwa Feneberg gedrückt werden – beispielsweise, wenn der Kooperationspartner den Strom subventioniert, um sich ein Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Die bereits angesprochene Energiemanagement-Software macht es daneben, dass Unternehmen beispielsweise Spitzen im Strombedarf kappen und so den Energiebezug nivellieren können. Neben der Monatspauschale und den Strom-Einsparungen will Numbat auch noch auf weiteren Wegen Zusatzeinnahmen mit den Säulen verdienen: In den Kästen ist ein 85-Zoll-Display integriert, die das Start-up beispielsweise als Nachrichten- und Werbefläche vermarkten will.

Längeres Batterie-Leben dank „Multi-Lifecycle“

Auf die Fahnen schreibt sich Numbat auch, das Leben von Batteriezellen mithilfe der eigenen Technik verlängern zu wollen. Das Start-up bezeichnet das eigene Vorgehen als „Multi-Lifecycle“. Im ersten Zyklus haben die Batterien eine Kapazität von 100 bis 80 Prozent. Schwächere Zellen werden dabei aussortiert. Im „zweiten Leben“ liegt die Kapazität dann bei 80 bis 60 Prozent. Auch dabei werden Batterien mit schlechterer Leistung aus dem Betrieb genommen. Erst nach dem dritten Zyklus mit 60 bis 20 Prozent Ladekapazität soll ein Batteriespeicher aber komplett recycelt werden. So sollen bis zu 30.000 Ladevorgänge möglich sein.

Feneberg will die Technologie in Zukunft beispielsweise auch nutzen, um Strom aus den eigenen Photovoltaik-Anlagen einzuspeisen und zu speichern. Bis zu 2.000 Ladevorgänge sollten allein damit möglich sein. Die ersten Numbat-Säulen sollen im dritten Quartal an einigen Filialen aufgestellt werden. Warum erst dann? „Wir warten noch auf Förderbescheide, Baugenehmigungen und Co. Und tatsächlich ist die Produktion aufgrund des derzeitigen Chipmangels aktuell etwas komplex. Wir skalieren nun unser Produkt und das Geschäftsmodell, da wir bewiesen haben, dass der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur auch in ländlichen Regionen, die meist vernachlässigt werden, wirtschaftlich funktionieren kann“, sagte der Numbat-Sprecher.

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Neben Feneberg hat Numbat nach eigenen Angaben bereits verschiedenste Kunden wie Autohändler, Hotels, Kliniken oder Hochschulen. Vorerst konzentriert sich das Start-up mit seinen rund 20 Mitarbeitern laut dem zweiten Co-Gründer Martin Schall auf das Allgäu. „Mittelfristig wollen wir den „Numbat“ aber bundesweit ausrollen – in interessanten Regionen, aber auch in Städten wie München oder Hamburg“, sagte er im Juli der Allgäuer Zeitung.

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