Volkswagen-Chef Diess Eigenes Auto „wird in zehn Jahren noch der Standard sein“

Autor: Christoph Seyerlein

Werden bald immer weniger Konsumenten ein eigenes Auto besitzen und stattdessen beispielsweise auf Carsharing setzen? Volkswagen-Chef Herbert Diess glaubt nicht daran. Er setzt auf andere neue Erlösquellen.

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Herbert Diess ist sich sicher, dass viele noch lange nicht auf ein eigenes Auto verzichten werden.
Herbert Diess ist sich sicher, dass viele noch lange nicht auf ein eigenes Auto verzichten werden.
(Bild: Volkswagen)

Mit Weshare hat Volkswagen seit knapp zwei Jahren eine eigene Carsharing-Marke im Portfolio. Die Zwischenbilanz? So lala. Denn schon früh mit großen Expansionsplänen angetreten, musste sich das Unternehmen doch deutlich länger als geplant erst einmal auf Berlin als Einsatzort beschränken. Immerhin: Seit einigen Wochen gibt es Weshare nun auch in Hamburg.

Doch das beste Standing scheint die Sparte im Konzern bislang nicht zu haben. Schon rund um den Launch in Hamburg hatte VW-Markenchef Ralf Brandstätter von Weshare-CEO Philipp Reth gefordert, bald aus den roten Zahlen zu kommen. Ewig draufzahlen will man bei den Wolfsburgern nicht.

Wenig ermutigend fällt nun eine Aussage von Brandstätters Vorgesetzten, Konzernchef Herbert Diess aus. Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ meinte der: „Das Auto als Privateigentum wird in zehn Jahren noch der Standard sein.“ Hoffnung auf einen großen Carsharing-Boom hört sich anders an.

Zwar wachsen die Nutzungszahlen solcher Angebote. Doch auch eine Auswertung der Unternehmensberatung Arthur D. Little kommt zu dem Schluss, dass das eigene Auto längst noch kein Auslaufmodell ist. Weltweit nahmen 8.500 Konsumenten an der Studie teil. Für den deutschen Markt ergab sich daraus folgendes Bild: 57 Prozent gehen davon aus, dass die Bedeutung eines eigenen Autos in zehn Jahren unverändert sein wird.

18 Prozent gaben an, dass die Wichtigkeit aus ihrer Sicht sinken werde. Sieben Prozent rechnen gar mit einer stark zurückgehenden Bedeutung. Auf der anderen Seite gingen 12 Prozent davon aus, dass private Pkws in der Gunst der Konsumenten steigen werden. Sieben Prozent erwarten einen starken Anstieg der Bedeutung. Insgesamt waren also 76 Prozent der Meinung, dass das eigene Auto auch in zehn Jahren noch mindestens genauso wichtig sein wird wie aktuell.

Functions on demand und autonomes Fahren eher im Fokus

Auch andere Signale aus dem Volkswagen-Konzern deuten daraufhin, dass man jener Nutzungsform bei Europas größtem Autobauer nur wenig Perspektive einräumt. Audi-Vertriebschefin Hildegard Wortmann erklärte vor wenigen Wochen, dass in Ingolstadt Carsharing bis auf Weiteres nicht auf der Agenda stehe. Das passe nicht zum Premium-Ansatz der Marke. „Sharing ist kurzfristig sicherlich nicht die richtige Option“, erteilte Wortmann dem Thema eine Absage.

Stattdessen rücken in Wolfsburg inzwischen auf der Suche nach neuen Erlösquellen andere Themen in den Vordergrund. Beispielsweise setzt der Konzern zunehmend darauf, mit per Update zubuchbaren Funktionen in den Autos, sogenannten functions on demand, Geld zu verdienen. Einen dreistelligen Millionenbetrag plane man perspektivisch jährlich aus solchen digitalen Zusatzgeschäften ein, hatte Klaus Zellmer, Vertriebsvorstand von VW Pkw, kürzlich angekündigt.

Viele Ressourcen steckt Volkswagen zudem ins autonome Fahren. Hier will Diess nicht wie bei anderen Themen in der jüngeren Vergangenheit Wettbewerbern wie Tesla das Feld erst einmal überlassen. Intern will der Konzern vor allem mit seinem Projekt Trinity und bei Volkswagen Nutzfahrzeuge mit dem ID Buzz dabei Tempo machen. Mit einem Serieneinsatz rechnet der Firmenchef dann zu Beginn des nächsten Jahrzehnts.

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Entwicklungsredakteur