Mikromobilität E-Scooter-Verleiher Voi: So läuft das Geschäft in Deutschland

Autor Christoph Seyerlein

Wie erfolgreich sind E-Scooter-Verleiher hierzulande eigentlich? Der Markt scheint gehyped, konkrete Zahlen sind allerdings spärlich gesäht. Voi gibt nun zumindest ein paar Einblicke. Über manche Dinge schweigen sich aber auch die Schweden weiter aus.

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E-Scooter von Voi werden in den fünf größten deutschen Städten im Schnitt 3,8 mal pro Tag gebucht.
E-Scooter von Voi werden in den fünf größten deutschen Städten im Schnitt 3,8 mal pro Tag gebucht.
(Bild: Voi)

Über E-Scooter wird viel gesprochen, geschrieben, diskutiert und gestritten. Doch wie oft werden die Roller eigentlich gefahren? Der schwedische Verleiher Voi hat nun erstmals Zahlen zu seinem Geschäft in Deutschland verraten.

In den fünf größten deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt) wird ein E-Scooter dem Anbieter zufolge im Schnitt 3,8 mal pro Tag ausgeliehen. Pro Stadt führt das zu etwa 109.000 Buchungen pro Woche. Die durchschnittliche Fahrtlänge liegt zwischen zwei und vier Kilometern. In Europa kommt Voi auf ein Buchungsvolumen von zwei Millionen Fahrten in der Woche.

Die Schweden erklärten sich damit zum erfolgreichsten Anbieter im Wettbewerb. Laut Daten des Dienstleisters „Fluctuo“ liege der Branchendurchschnitt bei 0,8 bis 1,5 Bewegungen eines E-Scooters pro Tag. Auch bei den absoluten Zahlen liege Voi vorne. Allerdings schränkte das Unternehmen selbst ein, dass die Fluctuo-Zahlen aufgrund „komplexer Datenströme“ nicht zu 100 Prozent akkurat sein könnten. Bei internen Auswertungen fielen die Werte allerdings noch höher aus.

Fast überall profitabel

Nach eigenen Angaben werden Vois Scooter im Vergleich zur ersten Saison hierzulande im Jahr 2019 aktuell etwa sechsmal häufiger genutzt. Positiv ist offenbar auch die wirtschaftliche Entwicklung: Die Schweden erklärten, in 14 von 15 Städten in Deutschland, in denen sie aktiv sind, profitabel zu arbeiten. Welche Stadt aus dem Raster fällt, wollte der Anbieter auf Nachfrage allerdings nicht verraten. Auch zu den genauen Profit-Zahlen machte ein Sprecher keine Angaben.

Der rasche Anstieg an Nutzern hat bei Voi allerdings auch zu Problemen geführt. Anfang des Sommers kamen die Schweden logistisch nicht mehr hinterher. Die Scooter konnten teilweise nicht schnell genug geladen und umgeparkt werden. An vielen Standorten musste Voi deshalb seine Kapazitäten ausbauen.

Um Folgen wie etwa schlecht abgestellte E-Scooter künftig besser in den Griff zu bekommen und Kritik aus der Öffentlichkeit zu vermeiden, wollen die Schweden künftig mehrere Maßnahmen ergreifen:

  • Die Flottenteams mit „E-Scooter-Rangern“ sollen ausgebaut werden
  • Mehr Parkstationen und hybride Parkmodelle sollen eingerichtet werden
  • Maßnahmen sollen entwickelt werden, um die Nutzer mehr für Verkehrsregeln zu sensibilisieren

Das kostet Geld. Um die Schritte finanzieren zu können, hat Voi deshalb weiteres Kapital eingesammelt. Die jüngste Finanzierungsrunde habe man um 45 Millionen auf nun 205 Millionen Dollar erweitern können. Angeführt wurde die Runde von Bestandsinvestoren wie Raine Growth und Vostock New Ventures.

Das Geld will Voi auch nutzen, um seine Logistik mit künstlicher Intelligenz zu unterstützen. Außerdem sollen die Zusammenarbeit mit Städten vertieft und Kooperationen mit öffentlichen und privaten Mobilitätsanbietern auf- und ausgebaut werden.

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