Fernverkehr Deutsche Bahn im Test: Was sie gut macht – und was schlecht

Wie gut oder schlecht ist die Deutsche Bahn im Fernverkehr wirklich? Der ADAC wollte es wissen und hat von Testfahrern insgesamt 30 Verbindungen inkognito untersuchen lassen. Wir haben die Ergebnisse.

Firma zum Thema

Weniger als die Hälfte der Züge im ADAC-Test waren pünktlich.
Weniger als die Hälfte der Züge im ADAC-Test waren pünktlich.
(Bild: Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann)

Bahn-Bashing ist in der Gesellschaft eine gern ausgeübte Disziplin. Beispielsweise vergeht in sozialen Netzwerken kaum ein Tag, an dem nicht jemand aus dem eigenen Dunstkreis eine Beschwerde über die Deutsche Bahn absetzt. Doch ist der hiesige Hauptanbieter für Zugfahrten wirklich so schlecht wie sein Ruf? Der ADAC ist dieser Frage in einem Test nachgegangen.

Die Tester beschränkten sich dabei auf 30 Verbindungen im Fernverkehr. Zwischen dem 17. Juni und dem 29. Juli 2021 waren sie donnerstags bis sonntags inkognito unterwegs. In die Bewertung flossen fünf Parameter ein:

  • Info/Pünktlichkeit (Gewichtung 25 %)
  • Sanitär/Hygiene (Gewichtung 25 %)
  • Sitz-/Reisekomfort (Gewichtung 22 %)
  • Personal (Gewichtung 15 %)
  • Handy/WLAN (Gewichtung 13 %)

Insgesamt stellte der ADAC knapp jeder zweiten Fahrt ein sehr gutes oder gutes Zeugnis aus. Allerdings wurde auch jede fünfte Verbindung mit mangelhaft oder sogar sehr mangelhaft bewertet. Am wenigstens hatten die Tester am Personal auszusetzen, die meisten Beschwerden gab es über die Hygiene, die Pünktlichkeit und das WLAN und Handynetz.

Und so fiel die Bewertung der einzelnen Kategorien im Detail aus:

  • Beim Thema Pünktlichkeit stellte der ADAC viel Luft nach oben bei der Deutschen Bahn fest. Nur zwölf der 30 untersuchten Züge waren pünktlich (43 %). Sieben hatten maximal sechs Minuten Verspätung, sechs weitere höchstens eine Viertelstunde. Drei Verbindungen kamen deutlich zu spät an (bis zu 92 Minuten), zwei fielen komplett aus. Zufrieden zeigten sich die Tester mit der Information: Nur in einem Zug habe es keine Durchsagen gegeben. Zugalternativen, Gleiswechsel, Verspätungen und Co. seien zuverlässig auch per Mail oder Push-Nachricht kommuniziert worden.
  • Auf die Hygiene in den eigenen Zügen sollte die Deutsche Bahn stärker achten. Zwar hatten die Testfahrer des ADAC in den meisten fällen einen guten ersten Eindruck von den Sanitärräumen. Dieser war allerdings in einigen Fällen trügerisch, wie Proben von Türklinken und Toilettenbrillen später im Labor ergaben: In zwölf Zügen (43 %) zeigte sich eine auffällige Keimbelastung. Neun Proben enthielten definitiv gesundheitsgefährdende Keime. Laut der Bahn werden die Toiletten aktuell alle zwei Stunden gereinigt. Ebenfalls negativ: In zwei Zügen waren die barrierefreien Toiletten dauerhaft gesperrt. Je vier Mal fehlten Hygienebeutel und Desinfektionsmittel.
  • Besser könnte auch der WLAN-Empfang in den Fernzügen sein. Fünf der untersuchten Zügen hatten gar kein derartiges Angebot. Nur bei knapp jeder zweiten Fahrt war die Verbindung stabil. Der Handy-Empfang war in rund 40 Prozent der Züge durchweg gut. Allerdings ist die Bahn hierbei auch abhängig von den Netzbetreibern.
  • Wenig zu beanstanden hatten die Testfahrer beim Sitz- und Reisekomfort. In diese Kategorie flossen Aspekte wie Ausstattung und Sauberkeit des Wagens, Sitzplatzreservierung sowie das gastronomische Angebot ein. 19 Züge schnitten dabei sehr gut ab, kein einziger mangelhaft. Kleiner Dämpfer: In drei Zügen gab es keine Speisen und Getränke. Zwei hatten kein Bord-Bistro oder Restaurant, zwei weitere keine warmen Speisen.
  • Gute Noten spendierte der ADAC dem Personal.

Flixtrain ist günstiger, aber ...

Reizthema rund um die Bahn sind regelmäßig die Preise. Aktuell steht wieder eine Erhöhung im Nah- und Fernverkehr an. Der ADAC verglich das Angebot des Staats-Konzerns mit dem des privaten Anbieters Flixtrain. In allen Fällen war die Flixmobility-Tochter günstiger. Die Preisdifferenz betrug zwischen 16 und 79 Prozent. Dafür war die Deutsche Bahn auf acht Strecken schneller, Flixtrain bei zwei Verbindungen.

Der größte Unterschied zwischen den Wettbewerbern liegt aber in der Anzahl der Verbindungen: Während Flixtrain insgesamt deutlich weniger Ziele bedient und die meisten Strecken nur ein bis zweimal pro Tag befährt, gibt es bei der Deutschen Bahn häufig einen Ein- oder Zweistundentakt.

Flixtrain hat aktuell angekündigt, das eigene Angebot um bis zu 20 Strecken ausbauen zu wollen. Wettbewerber der Deutschen Bahn bemängeln regelmäßig, dass auch der Netzbetrieb in der Hand des Staatskonzerns liegt und mit dem Zugangebot verschmolzen ist. SPD, Grüne und FDP diskutieren auch deshalb in ihren Koalitionsverhandlung über eine Bahn-Reform. Beispielsweise ist eine Aufspaltung der beiden Sparten denkbar. Konkurrenten befürworten dies, während Bahn-Gewerkschaften und -Beschäftigte bereits dagegen protestierten.

(ID:47824578)