Der Kreuzzug des Teslas-Chefs Elon Musk

Autor / Redakteur: Jens Meiner, ampnet / Benjamin Kirchbeck

Dass bei Tesla Nervosität herrscht, ist kein Geheimnis. Doch in den vergangenen Tagen scheinen bei Elon Musk die Sicherungen durchgebrannt zu sein. In einer Serie von Botschaften legt er sich mit der gesamten Medienlandschaft an – und kündigt harte Konsequenzen für Journalisten an.

Tesla Boss Elon Musk: „Immer wenn jemand die Medien kritisiert, kreischen die Medien: ‚Sie sind wie Trump!‘ Warum glauben Sie, dass er gewählt wurde? Weil Ihnen niemand mehr glaubt.“
Tesla Boss Elon Musk: „Immer wenn jemand die Medien kritisiert, kreischen die Medien: ‚Sie sind wie Trump!‘ Warum glauben Sie, dass er gewählt wurde? Weil Ihnen niemand mehr glaubt.“
(Bild: Tesla)

Elon Musk ist bekannt für seine oft markige Wortwahl und hochtrabenden Ankündigungen. In den vergangenen Tagen hat der Tesla-Boss nun erneut zum Rundumschlag ausgeholt. Anlass für den Kontrollverlust von Elon Musk war die Berichterstattung über die Skandale und Probleme der vergangenen wenigen Wochen.

Eine Übersicht der Ereignisse

Am 23. März ist in Kalifornien ein Model X auf „Autopilot“ am hellichten Tage in eine Barriere gerast. Der Fahrer starb, anschließend brach ein Feuer aus, das stundenlang nicht gelöscht werden konnte. Tesla hielt sich nicht an den Schweigecomment während der behördlichen Untersuchung des Unfalls, weshalb die Firma vom Prozess ausgeschlossen wurde. Was sie zu vertuschen versuchte.

„Langweilige Fragen von Armleuchtern sind nicht cool“

Bereits am 2. Mai entgleiste Musk in einer bizarren Telefonkonferenz anlässlich der Präsentation der Vierteljahreszahlen. Er fuhr zwei Analysten über den Mund: „Entschuldigung. Weiter. Langweilige Fragen von Armleuchtern sind nicht cool“, beschied er Tony Sacconaghi von Sanford C. Bernstein & Co auf die Frage nach dem Kapitalbedarf für den Rest des Jahres. Und als Joseph Spak von RBC Capital Market nach der Zahl der Model-3-Reservierungskunden fragte, die das Auto dann tatsächlich konfigurieren, folgte eine schier endlose Kunstpause, bis Musk hervorbrachte: „Wir wechseln zu Youtube. Entschuldigung. Diese Fragen sind so trocken. Sie bringen mich um.“

Mit „Youtube“ war ein Tesla-Fan gemeint, der Musk – im Gegensatz zu den Analysten – nicht weniger als zwölf Fragen stellen durfte. Der Firmenlenker nutzte die Gelegenheit, sich mit weitschweifigen Ausführungen als Visionär zu profilieren. Und er riet dabei Journalisten, autonome Fahrzeuge gefälligst hochzuschreiben: „Es ist unglaublich verantwortungslos von Journalisten mit Integrität, einen Artikel zu schreiben, der die Menschen zur Annahme bewegen könnte, autonome Fahrzeuge seien weniger sicher. Denn dann könnten Menschen diese Systeme abschalten und sterben.“ Er sei „erbost“ darüber, fügte er hinzu.

„Durchgeknallte“ Berichterstattung

Nur kurz darauf, am 8. Mai, verbrannten zwei Jugendliche in Florida in einem verunfallten Model S, als die Batterien spektakulär Feuer fingen. Am 10. Mai verbrannte ein deutscher Tesla-Fahrer bei einem weiteren Unfall in der Schweiz in seinem Model S. Das Auto hatte sich überschlagen und war augenblicklich in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehr von Bellinzona spekulierte, die Batterien könnten thermisch durchgegangen sein – ein Prozess, der sich nur durch gewaltige Mengen von Wasser oder das Zuschütten des Autos mit Sand halbwegs unter Kontrolle bringen lässt. Und am 11. Mai raste ein Tesla – möglicherweise auf Autopilot – in Utah mit fast 100 km/h in ein Feuerwehrauto. Musk nannte die Berichterstattung „durchgeknallt“.

Kurz darauf thematisierte unter anderem der englische Guardian die weit unterdurchschnittlichen Arbeitsbedingungen in den Produktionshallen im kalifornischen Fremont, einer einst führenden, von Toyota und GM gemeinsam betriebenen Fabrik. Dort ist der Zeit- und Erfolgsdruck heute immens, die Zahl der Verletzungen hoch, die Sicherheit unzureichend. Unfälle werden vertuscht und verschwiegen.

Das einflussreiche, weithin respektierte Verbrauchermagazin „Consumer Reports“ hat dann auch noch einen Testbericht des Model 3 publiziert, bei dem gravierende Mängel zutage traten. Die Tester kritisierten die umständliche Bedienung als Sicherheitsrisiko und gaben sich schockiert über die mangelhafte Bremsleistung der angeblichen Sportlimousine, die sich auf dem Niveau eines Pickup-Trucks bewegt.

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