Aktuelles aus der Autobranche Der Autofrühling 2013 – die Highlights

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Ob neue Assistenzsysteme, Bedienkonzepte mit Gestensteuerung oder Fortschritte bei Elektro- und Hybridfahrzeugen – die ersten Monate dieses Jahres brachten eine Reihe interessanter Innovationen.

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Kraftzwerg: Renault stattet den Twizy als F1 Concept Car mit Formel-1-Technik aus
Kraftzwerg: Renault stattet den Twizy als F1 Concept Car mit Formel-1-Technik aus
(Bild: Renault)

Die ersten Überraschungen des Jahres präsentierten Autohersteller und -Zulieferer bereits Anfang Januar – aber nicht im Rahmen einer Autoausstellung, sondern auf der weltgrößten Multimediamesse: der Consumer Electronics Show.

Immer mehr Autobauer entdecken die CES für sich

Die CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas ist schon lange nicht mehr die Domäne von Microsoft & Co. – hat doch inzwischen die Autobranche die Computershow für sich entdeckt. Und so gaben sich nur wenige Tage vor der wichtigen Motor Show NAIAS in Detroit Autohersteller und -Zulieferer ein Stelldichein in Las Vegas, um den IT-lern zu beweisen, dass sich das Auto längst zum Hightech-Computernetz auf Rädern gemausert hat.

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Head-up-Displays für alle Klassen

Continental präsentierte u.a. Head-up-Displays für alle Fahrzeugklassen, ein Touchpad, mit dem sich das Infotainmentsystem wie ein Smartphone bedienen lässt, Gestensteuerung für das Infotainmentsystem und AutoLinQ for EV, mit dem der Fahrer den Ladevorgang seines Elektrofahrzeugs übers Smartphone aus der Ferne steuern kann.

Audi fährt autonom im Parkhaus

Ein weiteres Highlight war ein Audi, der auf Knopfdruck selbständig ins Parkhaus fährt und dort passgenau einparkt.

Autonomes Fahren ist nur noch eine Frage der Zeit

Dass autonomes Fahren nur noch eine Frage der Zeit ist, zeigte Toyota an einem Lexus LS. Der mit zahlreichen Radarsensoren, einem sehr genau arbeitenden GPS-System, Laseraugen und einer Stereo-Kamera ausgestattete Prototyp kann seine Umgebung während der Fahrt millimetergenau abtasten und die Bewegung von Fahrzeugen und Personen gewichten.

Das Auto als iPad auf Rädern

Dass Autos längst zu iPads auf Rädern geworden sind, zeigen BMW mit dem Datenturbo LTE im Auto sowie General Motors und Hyundai, die das von Apple bekannte Sprachbediensystem Siri ins Auto packen.

Der Trend zu grünen Autos war in Genf spürbar

Der 83. Genfer Auto-Salon Mitte März war die erste wichtige Automesse des Jahres in Europa. Auch 2013 war der Trend zu grünen Autos in Form von schadstoffarmen Motoren sowie Elektro- und Hybridantrieben spürbar, aber kraftstrotzende PS-Boliden am Messestand lassen autophile Herzen nunmal höher schlagen als umweltpolitisch korrekte Knuddel-Autos. Und so ist es kein Wunder, dass gerade einmal rund zehn Prozent „grüne“ Fahrzeuge präsentiert wurden.

Elektrischer A3 mit 150 kW

Audi arbeitet mit Hochdruck weiter an der Elektrifizierung des Antriebs durch die Plug-in-Hybridtechnologie und präsentierte auf dem Genfer Automobilsalon 2013 den Audi A3 e-tron mit einer Systemleistung von 150 kW und einem Systemdrehmoment von 350 Nm. Er soll rein elektrisch bis zu 50 km weit kommen und sich mit einem Spritverbrauch von 1,5 l/100 km zufrieden geben.

Akku nur alle zwei Tage nachladen

Europapremiere feierte in Genf das BMW i3 Concept Coupé; mit dabei war auch der BMW i8 Concept Spyder. Der BMW i3 ist mit seinem BMW eDrive Antriebssystem so ausgelegt, dass beim Einsatz im typischen Pendlerbetrieb ein Nachladen nur alle zwei bis drei Tage nötig wird. Das entspricht einer Reichweite zwischen 130 und 160 km.

Elektroantrieb für die Luxusklasse

Ebenfalls erstmals in Europa zu sehen war in Genf der Cadillac ELR, mit dem General Motors nach eigener Aussage die Elektromobilität ins Luxussegment bringen will. Mithilfe eines Range-Extenders soll die Luxuskarosse eine Reichweite von rund 480 km erreichen und rein elektrisch etwa 60 km weit kommen.

Auch der Chevrolet Spark EV wurde in Genf erstmals in Europa vorgestellt, soll hier aber erst 2014 in den Verkauf gehen.

Supersportler von Ferrari mit Hybridantrieb

Mit einem Supersportler trumpfte Ferrrari in Genf auf: Der Ferrari F150 ist Nachfolger des Enzo und hat einen Hybridantrieb mit satten 800 PS, der eine Spitzengeschwindigkeit von weit über 300 km/h erreichen dürfte und zu einem Preis von rund 1 Mio. € direkt ein Schnäppchen ist.

Cityflitzer macht sich noch kleiner

Auf dem 83. Genfer Auto-Salon wurde erstmals die Serienversion des E-Stadtautos Hiriko Fold gezeigt. Der 2,50 m kurze City-Flitzer kann sich auf Knopfdruck noch kleiner machen (2 m) und auf der Stelle drehen, um so auch kleinste Parklücken zu nutzen. Hyundai stellte in Genf sein erstes Brennstoffzellenauto ix35 Fuel Cell vor, das in Serie gehen soll.

Einsitzer für die Stadt mit 24-kW-Elektromotor

Ebenfalls Premiere feierte in Genf der batteriebetriebene Elektro-Einsitzer Colibri von Innovative Mobility Automobile. Das effiziente City-Auto mit 400 kg wird von einem 24kW starken Elektromotor angetrieben, der seine Energie von einem Lithium-Eisen-Phosphat-Akku mit einer Kapazität von 6,5 kWh erhält.

Mit 70 kW im Gelände unterwegs

Robuster ging es bei Land Rover zu: Das Unternehmen zeigte den Electric Defender, eine Elektroversion der 4x4-Ikone, der von einem 70-kW-Elektromotor angetrieben wird. Mit der Europapremiere des Hybrid-Modells Lexus IS 300h in Genf ist Lexus derzeit der einzige Hersteller weltweit, der jede Baureihe auch als Vollhybrid anbietet.

Wärmepumpe im Klimasystem erhöht Reichweite

Nissan hat in Genf den überarbeiteten Leaf vorgestellt. Das Elektroauto erhielt ein Face-Lifting und erreicht dank des Einsatzes einer Energie sparenden Wärmepumpe im Klimasystem eine höhere Reichweite.

Hydraulischer Range-Extender

Zwar ebenfalls bereits angekündigt, aber in Genf erstmals zu sehen war der Peugeot 2008 HybridAir, ein echtes Zweiliter-Auto. PSA und Bosch forschen dafür gemeinsam an einem hydraulischen Hybrid-Motor.

Supersportler von McLaren mit 916 Hybrid-PS

McLaren lüftete in Genf das Geheimnis um den McLaren P1: Der Supersportler kommt als Plug-In-Hybrid mit insgesamt 916 PS. Er ist bei 350 km/h abgeriegelt und soll mindestens 1 Mio. € kosten.

Umweltfreundliche Elektro- und Hybridfahrzeuge

Mitsubishi präsentierte in Genf umweltfreundliche Elektro- und Hybridfahrzeuge. Der CA-MiEV (Compact & Advanced MiEV) ist als Technologieträger für die kommende Generation kompakter Elektrofahrzeuge konzipiert und könnte der Nachfolger des Elektroautos i-MiEV werden. Ebenfalls von Mitsubishi zu sehen war der Pick-Up GR-HEV, der von einem Diesel- und zwei Elektromotoren angetrieben wird.

Der Schweizer Tuner Rinspeed will mit der Studie Rinspeed Micromax den Stadtverkehr revolutionieren. Das elektrisch angetriebene Kompaktauto bietet dank Stehsitzen viel Platz auf wenig Fläche.

Dreirädriger Zweisitzer für höchste Flexibilität in der Stadt

Eine neue Art der Elektromobilität präsentierte Toyota in Genf mit dem Toyota i-Road, einem dreirädrigen Zweisitzer für den Stadtverkehr. Angetrieben wird die nur 1,45 Meter hohe Studie von Radnaben-Elektromotoren mit jeweils 2 kW an den beiden Vorderrädern.

Das 1-Liter-Auto geht in Serie

Sehr aktiv in Sachen Elektro- und Hybridantrieb ist Volkswagen. Der in Genf vorgestellte Plug-in-Hybrid VW XL1 braucht nur 0,9 l Sprit auf 100 km und kann bis zu 60 km rein elektrisch fahren. Ebenfalls in Genf zu sehen war der Elektro-Up mit 82 PS und 210 Nm Drehmoment. Er ist das erste reine Elektroauto von Volkswagen und soll Ende 2013 auf den Markt kommen. Darüber hinaus präsentierte Volkswagen die Studie eines elektrisch angetriebenen Stadtlieferwagens: den VW E-Co-Motion.

PS und Luxus dominierten auf der Detroit Motor Show

Relativ unspektakulär verlief die American International Auto Show (NAIAS) in Detroit. So zeigten vor allem die US-Autobauer viele neue Modelle, meist PS-starke Spritschlucker; spritsparende Hybrid- und Elektroautos waren Mangelware.

Hybridantriebe von Honda und Nissan

Zu den Ausnahmen gehörte Honda mit dem NSX, einem Zweisitzer, der von einem V-6-Benziner-Mittelmotor über die Hinterachse und zwei Elektromotoren über die Vorderräder angetrieben wird. Auch Volkswagen präsentierte sich bieder – mit der SUV-Studie CrossBlue, einem Plug-In-Hybrid, dessen 2-l-Diesel- und zwei E-Motoren zusammen 306 PS leisten. Nissan präsentierte in Detroit die Studie Resonance Concept mit Hybridantrieb, einem Crossover aus SUV und Van. Die Kraft aus Benziner und Elektroantrieb wird via Allrad übertragen.

Shanghai Auto 2013 weniger elektrisch als im Vorjahr

Die Auto Shanghai Ende April zeigte deutlich, dass das Interesse an elektrischen und Hybridantrieben in China im Vergleich zum Vorjahr abgeklungen ist. Interessante Highlights gab es dennoch.

Nach 70 Jahren Pause: ein neues Elektroauto von Detroit Electric

So gibt es nach einer Pause von 70 Jahren wieder das erste Elektroauto der US-amerikanischen Traditionsmarke Detroit Electric. Auf der Auto Show in Shanghai ließen die Detroiter die Katze endlich aus dem Sack: SP.01 heißt der neue elektrische Supersportwagen – und er soll mit seinem 150 kW starken Antrieb in 3,7 s von 0 auf 100 km/h spurten und mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h eines der weltweit schnellsten Serienelektroauto sein.

Konzepte zur Elektromobilität von Schaeffler

Der Automobilzulieferer Schaeffler präsentierte in Schanghai seine Konzepte zur Elektromobilität. Kern des Schaeffler-Messestandes auf der Auto Shanghai war die Konzeptstudie eSolution, mit der das Unternehmen mehrere Ansätze für die Elektromobilität darstellte. Zu den gezeigten Innovationen gehören u.a. der hochintegrierte Radnabenantrieb E-Wheel Drive und die elektrische Antriebsachse eDifferenzial mit zwei E-Maschinen, integriertem Getriebe und Differenzial, das auch Torque Vectoring ermöglicht.

Mercedes mit Laserschweinwerfern

Mit dem Concept GLA zeigte Mercedes-Benz in Shanghai einen kompakten SUV der Premiumklasse – mit Scheinwerfern in Lasertechnologie, die nicht nur für Licht auf der Straße sorgen, sondern gleichzeitig als Projektoren dienen können. Die Frontscheinwerfer sind mit jeweils einem Laserbeamer ausgerüstet, die nicht nur als Fahrlicht dienen, sondern auch Bilder und Filme auf Leinwände oder Flächen projizieren können.

Highlights abseits des Messerummels

Doch nicht nur auf Automessen sind bemerkenswerte Entwicklungen zu finden. Uns erreichen täglich Meldungen zu Innovationen, die wir unseren Lesern keinesfalls vorenthalten wollen.

Renault verwandelt Elektrozwerg in Formel-1-Boliden

Dazu gehört die Formel-1-Studie des Elektrozwergs Twizy. Natürlich soll der Twizy Renault Sport F1 Concept Car nicht an Formel-1-Rennen teilnehmen, aber die Umwandlung des Stadtflitzers in einen Formel-1-Rennwagen haben die Renault-Entwickler ernst genommen. So kommt der Twizy F1 nicht nur äußerlich im Formel-1-Look daher, auch im Inneren steckt echte Renntechnik, etwa das im Prinzip gleiche kinetische Energie-Rückgewinnungssystem wie bei echten Renault-F1-Rennwagen, das die Leistung des Twizy für max. 14 s von 13 bis auf 73 kW versechsfacht. Damit erreicht der Twizy F1 dann rund 110 km/h.

Freikolbenlineargenerator als Range Extender

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung kam von Forschern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart, die ein neues Antriebskonzept für die Reichweitenverlängerung von Elektrofahrzeugen entwickelt haben: den Freikolbenlineargenerator, ein Verbrennungsmotor, der den Strom aber direkt erzeugt und nicht über eine Drehbewegung. Er verträgt unterschiedliche Kraftstoffe wie Benzin, Diesel, Erdgas, Ethanol oder Wasserstoff. Aufgrund seiner variablen Eigenschaften lässt sich der DLR-Range-Extender je nach Geschwindigkeit und Fahrverhalten auf den optimalen Betriebspunkt ausrichten.

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