VW-Pläne „Das Zielbild: Jeder Volkswagen ist Sharing-fähig“

Autor / Redakteur: dpa/Svenja Gelowicz / Svenja Gelowicz

Künftig soll jeder VW-Kunde sein Auto teilen und digitale Zusatzdienste etwa für eine höhere Reichweite oder mehr Leistung nutzen können: Der Konzern hat dazu nun Details verraten.

Firmen zum Thema

Dank einer Telematikeinheit sollen VW-Besitzer ihre Autos künftig einfach teilen können.
Dank einer Telematikeinheit sollen VW-Besitzer ihre Autos künftig einfach teilen können.
(Bild: Volkswagen)

Käufer eines Volkswagen ID 3 oder ID 4 sollen Ende des Jahres die Modelle standardmäßig mit einem Telematiksteuergerät erhalten können. Das sagte Philipp Reth, bei VW Chef des Carsharing-Dienstes Weshare und Head of New Mobility, in einem Videostatement am Dienstag (8. Juni). Für Volkswagen eröffne dies komplett neue Geschäftsmodelle: „Wir werden erstmalig Peer-to-peer-Carsharing als Teil der Weshare-Mobiltätsplattform anbieten können.“ Das sei ein erster Schritt „in Richtung Zielbild, jeder Volkswagen ist Sharing-fähig.“

Peer-to-Peer-Carsharing beschreibt das Konzept, Fahrzeug gemeinschaftlich zu nutzen. Privatpersonen verleihen dabei für begrenzte Zeit ihren Pkw. Über Anbieter wie Getaround oder Snappcar können sie damit Geld verdienen.

Weshare will sich außerdem in Deutschland weiter ausbreiten und nimmt auch die Märkte Frankreich, Italien und Spanien ins Visier. Mit Blick auf das Jahr 2030 sagte Reth außerdem, Weshare könnte künftig eine Art Mobilitätsmarktplatz werden, wenn autonomes Fahren in der Breite verfügbar sei.

Kunden-Einstellungen zwischen Autos übertragbar

Kunden sollen in Autos der neuen Software-Generation außerdem ihren Account mit allen persönlichen Einstellungen zwischen verschiedenen Wagen übertragen können. Das könnte den Carsharing-Diensten zu einer stärkeren Akzeptanz helfen, hofft das Unternehmen. Für das Angebot Weshare stelle VW künftig weitere Modelle der elektrischen ID-Reihe bereit, kündigte Vertriebschef Klaus Zellmer am Dienstag an.

VW will generell in Neuwagen verstärkt modulare Software-Systeme einsetzen. Dabei sind sämtliche Funktionen vorinstalliert, einzelne Zusatzdienste können dann später dazu gebucht und gegen Gebühr freigeschaltet werden. Ab dem kommenden Jahr will Volkswagen Fahrern der ID-Reihe digitale Zusatzdienste verkaufen. „Wir planen Angebote bis hin zu Reichweiten- oder Leistungserhöhungen bei Elektroautos, die man zuschalten kann“, sagte Entwicklungschef Thomas Ulbrich der Zeitung „Welt“.

Drei Stunden autonomes Fahren für 21 Euro

Auch autonomes Fahren will man bei VW künftig als Zusatzdienst anbieten. „Beim Autonomen Fahren können wir uns vorstellen, dass wir es stundenweise zuschalten. Wir gehen von einem Preis von rund sieben Euro pro Stunde aus. Wer also drei Stunden lang nicht selbst fahren möchte, kann das dann für 21 Euro tun“, sagte Zellmer dem Blatt. „Das macht Autonomes Fahren für alle zugänglich – und nicht nur für diejenigen, die sich ein Auto mit einem fünfstelligen Aufpreis leisten können.“

Regelmäßige Updates und Umsätze mit Software

Mit einer Art Software-Baukasten soll – ähnlich wie bei den Antriebs-Baukästen – die teure Vielfalt zahlreicher Basisvarianten abnehmen. Außerdem sind dabei zunehmend drahtlose Updates („over the air“) vorgesehen. Deren Anlauf für dieses Konzepts war zuletzt für diesen Sommer geplant.

Die Wolfsburger erwarten ergänzende Umsätze durch kombinierte, je nach Kundenprofil ausgerichtete Programmpakete. Zellmer bekräftigte das zunächst noch relativ allgemeine Ziel, auf diese Weise einen „dreistelligen Millionenbetrag“ erreichen zu wollen. Der Konkurrent BMW peilt einen ehrgeizigen Wert für das entsprechende Erlöspotenzial an: Bis 2030 wollen die Münchner mit individualisierten, digitalen Upgrades im Auto bis zu fünf Milliarden Euro jährlich erzielen.

VW-Entwicklungschef: Geschwindigkeit künftig zweitrangig

Der Entwicklungschef der VW-Kernmarke, Thomas Ulbrich, sieht in solchen passgenauen Funktionen einen wichtigen Wettbewerbsfaktor: „Es wird in Zukunft mehr und mehr so sein, dass der Kunde mehr auswählt nach dem, was die Software bietet – und nicht unbedingt danach, ob das Auto noch ein Zehntel schneller fährt.“

Als VW die neuen Systeme und Steuergeräte im Golf 8 und im vollelektrischen ID 3 einführte, musste das Unternehmen aufgrund der Komplexität allerdings Lehrgeld zahlen. „Es gab Softwarefehler, das ist unbestritten“, meinte Ulbrich. Man habe inzwischen „entsprechend nachgebessert“. Das Feedback der Kunden, sei nun „deutlich positiver“.

Computer-Spiele im Auto

Grundsätzlich will VW die Hoheit über die Funktionen im Auto in der Hand behalten. „Wobei wir schon heute Leistungen von Fremdanbietern im Auto haben, etwa Alexa im Golf. Funktionen aus dem Unterhaltungsbereich, beispielsweise Spiele, werden wir nicht selbst machen. Die werden aber zuschaltbar sein“, sagte Ulbrich.

Beim Wandel vom Autokauf zur Autonutzung auf Zeit sieht Zellmer große Umsatzchancen. Bereits heute erziele Volkswagen in Deutschland mehr als 50 Prozent seines Absatzes mit Leasing-Fahrzeuge. „Ich kann mir vorstellen, dass es künftig mehr Anwendungsfälle geben wird, in denen Kunden nur kurzfristig stunden- oder tageweise auf Autos zugreifen wollen. Das könnte bis 2030 schon 20 bis 30 Prozent unseres Geschäfts ausmachen“, sagte er der „Welt“.

(ID:47457610)