China Market Insider Das erste E-Auto mit Drohnen-Technik

Von Henrik Bork

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Ein kleiner Stromer mit Drohnen-Technik: Das ist der Baojun KIWI. Für dieses Produkt kooperiert SAIC-GM-Wuling mit dem Drohnen-Spezialisten DJI. Dabei soll die Strahlkraft des Tech-Partners auch bei den Verkaufszahlen helfen.

Der Baojun KIWI soll ab diesem Monat in einer neuen Variante ausgeliefert werden. An Bord ist dann Drohnentechnik von DJI.
Der Baojun KIWI soll ab diesem Monat in einer neuen Variante ausgeliefert werden. An Bord ist dann Drohnentechnik von DJI.
(Bild: Baojun )

Ist das jetzt eine „Drohne auf vier Rädern?“ Nun ja, nicht wirklich. Es ist ein kleines E-Auto mit Drohnen-Technologie. Chinas Nachrichten-Portal Pin Wan, das die Frage gestellt hat, beantwortet sie auch sofort wieder, mit dieser Einschränkung.

Trotzdem sorgt diese Neuigkeit in China gerade für einigen Wirbel. Der Autohersteller SAIC-GM-Wuling und Chinas größter Drohnen-Produzent DJI haben gemeinsam ein „intelligentes Mini-E-Auto“ entwickelt. Der kleine „2023 Baojun KiWi” werde seit diesem Monat in Serie produziert und sei ab August beim Autohändler erhältlich, kündigte der Autokonzern an.

Schnäppchen mit viel Ausstattung

Das kleine E-Auto soll ersten Berichten zufolge nicht mehr als 80.000 Yuan (knapp 11.700 Euro) kosten. Trotz dieses günstigen Preises wird es in der neuen Version mit ADAS-Fahrassistenz-Funktionen ausgestattet sein, die DJI gemeinsam mit dem Autobauer entwickelt hat. Mehr als eine Million Test-Kilometer habe man seit 2019 schon auf Chinas Straßen gesammelt, heißt es bei SAIC-GM-Wuling.

Analysten in China sehen eine deutliche Überschneidung zwischen der Technologie, die eine Drohne zum Fliegen braucht und der, die ein Auto für autonome Fahrfunktionen benötigt. Bei DJI denke man außerdem, dass der Automobilmarkt möglicherweise noch größere Geschäfte ermöglichen könne als der für Drohnen, schreibt das chinesische Wirtschaftsmagazin Caijing.

Für das neue Mini-E-Auto hat der Drohnenbauer zum ersten Mal seine adaptive Geschwindigkeitsregelung (kurz ACC von „Adaptive Cruise Control“), sein Notbrems-System (kurz AEB von „Automatic Emergency Braking“), seinen Stau-Assistenten TJA und seine automatische Einparkhilfe zur Verfügung gestellt.

Insgesamt erreiche der kleine Elektroflitzer das Niveau L2 des autonomen Fahrens, berichten chinesische Medien. Auch eigene Daten für die Navigation stellt DJI angeblich bereit, heißt es. Nicht nur die Software, sondern auch ein Teil der Hardware für diese Funktionen ist gemeinsam mit „DJI Automotive“ entwickelt worden, wie die neue Auto-Abteilung des Drohnenbauers heißt.

DJI verfügt über ein breites Technologieangebot

DJI habe unter anderem Sensoren für die optische Wahrnehmung im Angebot, samt den dazugehörigen Algorithmen, außerdem Domain-Controller für das „intelligente Fahren“, Frühwarnsysteme zur Fahrerbeobachtung und Lidar-Geräte, die von der DJI-Tochter Livox kommen, berichtet das Nachrichtenportal Pin Wan.

Was davon genau im ersten „Drohnen-Auto“ von DJI und SAIC-GM-Wuling verbaut ist, darüber gibt es noch keine offiziellen Angaben. In verschiedenen Medienberichten ist von einem „binokularen Wahrnehmungs-Sensor für das optische Sehen, einer Ringkamera und einem Millimeterwellen-Radar“ die Rede. Außerdem wird erwartet, dass entweder sofort oder in einem der künftigen Upgrades ein Domain-Controller von DJI zum Einsatz kommt.

Mit seinen Mini-E-Autos feiert SAIC-GM-Wuling in China seit einiger Zeit große Erfolge. Der „Hongguang Mini EV“ ist das meistverkaufte E-Auto in der Volksrepublik, noch vor Tesla. Und damit ist es auch das meistverkaufte E-Auto weltweit. Die Modelle der Serie Baojun, die nun mit der Drohnen-Technologie ausgestattet werden, hatten sich bislang allerdings nicht so gut verkauft.

Kooperationen mit Tech-Unternehmen als Verkaufsargument

Die Zusammenarbeit mit großen Tech-Unternehmen wird bei Autoherstellern in China auch deshalb immer beliebter, weil sie große Aufmerksamkeit in den Medien und bei den Endkunden verspricht. Das Auto „ARCFOX Alpha” verkauft sich besonders gut, seit sein Hersteller BAIC mit dem Techkonzern Huawei kooperiert. „Huawei Inside” lautet ein Werbespruch. In ähnlicher Weise soll nun “Powered by DJI” auf den kleinen Flitzern von SAIC-GM-Wuling stehen.

Der Suchmaschinen- und KI-Konzern Baidu und seine Automobil-Tochter Jidu haben vor kurzem das Modell „ROBO-01“ vorgestellt, mit dem sie am Markt für autonom fahrende Taxis zu reüssieren hoffen. Angesichts solcher Kooperationen zwischen Tech-Konzernen und Autobauern sei es nicht verwunderlich, wenn nun auch DJI im Automarkt mitspielen wolle, kommentiert das Fachportal DroneDJ.

Die Frage, was genau ein Drohnenbauer im Automarkt suche, beantwortet das Portal so: „Ist DJI nicht ein Drohnen-Unternehmen? Nun ja, es ist eine Firma, die Drohnen baut. Aber in Wirklichkeit ist es auch eine Firma, die Technologie für Roboter baut.” Und da sei es egal, ob diese Roboter als Drohnen durch die Luft fliegen oder auf vier Rädern herumrollen. Und autonom oder semi-autonom fahrende Autos seien eben nichts anderes als Roboter.

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Über den Autor

Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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