Mobilitätsservices Clevershuttle gibt Ridepooling in Eigenregie auf

Trotz neu gefasstem Personenbeförderungsgesetz bleibt Deutschland ein schwieriger Markt für Mobilitätsdienste. Nun wirft auch Clevershuttle das Handtuch und stellt seinen eigenen Ridepooling-Dienst in Leipzig ein. Ganz von der Bildfläche will das Unternehmen aber nicht verschwinden.

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Seit Dezember 2016 war Clevershuttle mit bis zu 64 E-Fahrzeugen in Leipzig unterwegs.
Seit Dezember 2016 war Clevershuttle mit bis zu 64 E-Fahrzeugen in Leipzig unterwegs.
(Bild: Clevershuttle)

Clevershuttle zieht seinem eigens betriebenen Fahrdienst in Leipzig Mitte Januar 2022 den Stecker. Wie die Deutsche-Bahn-Tochter am Dienstag mitteilte, erfolge der Schritt im Einvernehmen mit dem Joint-Venture-Partner Madsack Mediengruppe. Seit Dezember 2016 war die Marke in der sächsischen Großstadt mit bis zu 64 E-Fahrzeugen unterwegs gewesen.

Zu der Entscheidung haben dem Unternehmen zufolge mehrere Gründe geführt. Zum Einen hat die Corona-Pandemie den Mobilitätsdienst hart getroffen. Die Fahrgastzahlen sind im Vergleich zur Zeit vor der Krise um bis zu 70 Prozent eingebrochen. Insgesamt haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als eine Million Fahrgäste den Service genutzt.

Die Kommunen haben das Sagen

Doch auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen machen Anbietern das Leben in Deutschland schwer. Zwar wird Ridepooling seit der Neufassung des Personenbeförderungsgesetzes hierzulande als Geschäftsmodell akzeptiert. Doch die Regeln zur Ausgestaltung geben die Kommunen vor. Sie entscheiden über Flottengröße, wie lange die Shuttles fahren dürfen, das Einsatzgebiet und auch die Preise.

Aus der Branche gibt es daran immer wieder Kritik. Einige Anbieter haben ähnlich wie jetzt Clevershuttle bereits teilweise resigniert. Beispielsweise fährt Free Now schon länger im Auftrag von kommunalen Verkehrsbetrieben. Andere Wettbewerber wie Door-2-Door konzentrieren sich lieber auf andere Märkte. Eigenverantwortliche Ridepooling-Anbieter werden so immer rarer in Deutschland. VW-Tochter Moia ist dabei zu nennen. Doch auch dort hat man bereits erste Fühler in Richtung ÖPNV ausgestreckt.

Ändern könnte diesen Trend wohl nur eine weitere Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP steht noch wenig aussagekräftig, dass neue Mobilitätsdienste und Carsharing in eine langfristige Strategie für autonomes und vernetztes Fahren einbezogen werden sollen. Die FDP, die mit Volker Wissing den neuen Verkehrsminister stellt, hatte die letzte Neufassung des Gesetzes kritisch betrachtet, da neue Mobilitätsdienste aus ihrer Sicht dabei zu streng reglementiert würden. Es könnte also ein wenig Hoffnung in der Branche geben, dass sich mit dem Regierungswechsel auch in jenem Bereich noch einmal etwas verändert.

Bei Clevershuttle will man darauf allerdings offenbar nicht mehr warten. Auch die DB-Tochter begibt sich nun in die Hände des ÖPNV. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen bereits beschlossen, selbst weniger am Endkundenmarkt auftreten zu wollen. Stattdessen will sich der Dienst als Partner für Städte, Landkreise und öffentliche Verkehrsunternehmen positionieren. Punkten will das Unternehmend dabei beispielsweise mit Nachfrageprognosen, Schichtplanungen, intelligenter Verkehrssteuerung und dem Management von Fahrpersonal.

Bruno Ginnuth, Co-Gründer und CEO von Clevershuttle, erklärte am Dienstag: „Wir wollen unseren elektrischen Ridepooling-Service künftig direkt mit dem ÖPNV verknüpfen. Damit erreichen wir mehr Fahrgäste und mehr für die Mobilitätswende. Unser Ziel: den ÖPNV mit On-Demand-Ridepooling flächendeckend attraktiv und flexibel verfügbar zu machen, indem wir Bedienungslücken schließen, die sonst nur mit dem privaten Auto zu bewältigen wären.“

Wie es für Clevershuttle weitergeht

Komplett soll Clevershuttle in Leipzig also nicht von der Bildfläche verschwinden. Als Betreiber des On-Demand-Angebots „Flexa“ sind die Busse der DB-Tochter künftig im Auftrag der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) im Norden und Südosten der Stadt unterwegs. Der Dienst kann per App oder Telefon gebucht werden, ist in den Tarif des Mitteldeutschen Verkehrsverbunds integriert und soll Menschen in Leipzig zu ihren Wunschzielen, zur nächsten Straßenbahn- oder Bushaltestelle sowie zum nächsten Bahnhof bringen.

Den Standort Leipzig will Clevershuttle zu einem Regional Hub ausbauen. Von dort sollen künftig ÖPNV-integrierte On-Demand-Services in Ostdeutschland steuern. Die 170 Angestellten vor Ort sollen an Bord bleiben. Für die Clevershuttle-Fahrer, die nicht weiterbeschäftigt werden können, sucht das Unternehmen noch nach Lösungen. Nur ein Teil von ihnen wird in Zukunft für Flexa aktiv sein.

Clevershuttle wurde 2014 gegründet und hat seitdem über fünf Millionen Fahrgäste in Elektro-Shuttles befördert. Derzeit betreibt das Unternehmen On-Demand-Angebote in Leipzig, Düsseldorf, Offenbach, Essen, Darmstadt, Taunusstein, Frankfurt, Salzgitter und Dormagen. Als neues Ziel hat sich die DB-Tochter im vergangenen Jahr gesetzt, On-Demand-Ridepooling deutschlandweit in den ÖPNV zu integrieren.

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