Radverkehrsforscher „Bessere Radinfrastruktur führt zu freieren Straßen“

Quelle: sp-x

Um das Konfliktpotenzial zwischen Auto- und Radfahrer zu verringern, ist es notwendig, die beiden Konfliktparteien räumlich voneinander zu trennen. Drei Fragen an Radverkehrs-Professor Christian Rudolph.

Christian Rudolph ist Leiter der vom Verkehrsministerium unterstützten Stiftungsprofessur Radverkehr in intermodalen Verkehrsnetzen an der TH Wildau.
Christian Rudolph ist Leiter der vom Verkehrsministerium unterstützten Stiftungsprofessur Radverkehr in intermodalen Verkehrsnetzen an der TH Wildau.
(Bild: Christian Rudolph)

Verkehrsforscher sind sich einig: Um das Konfliktpotenzial zwischen Auto- und Radfahrer zu verringern, ist es notwendig, die beiden Konfliktparteien räumlich voneinander zu trennen. Wie bessere Radverkehrsinfrastruktur aussieht und warum davon auch der Autofahrer profitiert, weiß Christian Rudolph, Leiter der vom Verkehrsministerium unterstützten Stiftungsprofessur Radverkehr in intermodalen Verkehrsnetzen an der TH Wildau.

Redaktion: Wie sieht Radfahrinfrastruktur aus, die Fehler toleriert?

Christian Rudolph: Mehrere Aspekte müssen dafür betrachtet werden: Abmarkierte Radfahrstreifen sollten eine ausreichende Breite aufweisen, so dass Radfahrende nicht gleich in den Kfz-Verkehr geraten, wenn sie Schlaglöchern oder Falschparkern auf Radwegen ausweichen müssen oder einen anderen Radfahrenden überholen. Das Thema Überholen gewinnt eine immer größere Wichtigkeit, da zum Beispiel die Geschwindigkeitsdifferenzen innerhalb der Radfahrenden durch die Elektrounterstützung steigen. Hinsichtlich der Sicherheit ist eine physische Trennung der Verkehrsarten Rad- und Kfz-Verkehr natürlich vorzuziehen. Beispielsweise durch einen Bordstein oder durch Trennelemente wie Poller, das verhindert auch das Parken bzw. kurze Halten auf den Radfahrstreifen. Die Geschwindigkeit des Kfz-Verkehrs spielt eine wesentliche Rolle, ob sich Menschen auf dem Fahrrad sicher fühlen. Daher begrüße ich sehr die Forderung nach einer Regelgeschwindigkeit von maximal 30 km/h innerorts. Erste Erfahrungen in Brüssel zeigen, dass die Anzahl der Unfälle sinkt und der Verkehr dabei sogar flüssiger rollt als vorher. Wichtig sind auch die Sichtbeziehungen. Nun werden die Fahrzeuge aber leider immer größer und höher. Wenn diese dann noch direkt im Kreuzungsbereich zweier Straßen geparkt werden, dann sind die Sichtbeziehungen maximal eingeschränkt.

Profitieren auch Autofahrer von besserer Radfahrinfrastruktur?

Durch den bekannten Dreiklang: Bessere Radinfrastruktur führt zu mehr Fahrradfahrten, führt zu weniger Kfz-Fahrten, führt zu freieren Straßen. Mal ganz davon abgesehen, dass die meisten Kfz-FührerInnen, die einen Unfall mit einem Radfahrenden verursacht haben, in psychologische Behandlung müssen.

Inwiefern muss ein Umdenken stattfinden?

Die Mobilitätswende kann nur gelingen, wenn alle mitmachen. Das heißt, es muss eine Bewusstseins- aber noch wichtiger eine Verhaltensänderung stattfinden. Über Jahrzehnte wurden Anreize geschaffen das Auto als Standard-Verkehrsmittel für unterschiedliche Wegezwecke einzusetzen. Gerade in Städten gelangt dadurch das Verkehrssystem oft an seine Grenzen. Die Folge sind Staus und eine gereizte und aggressive Fahrweise, die wiederum vulnerable VerkehrsteilnehmerInnen wie den Fuß- und Radverkehr gefährdet. Wünschenswert wäre, dass wir den Rückenwind des (E-)Fahrradbooms nutzen, um mit guten und sicheren Radverkehrsangeboten ein attraktives Alternativangebot zur Kfz-Nutzung anzubieten. Gerade für die staugeplagten PendlerInnen könnten Elektroräder auch auf den etwas längeren Pendelfahrten das Auto ersetzen. Oder natürlich die Kombination aus Bike and Ride.

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