Elektromobilität „Bau von Zellwerken ist extrem teuer“ – VW erwägt Börsengang der Batteriesparte

Autor: Christoph Seyerlein

Bis 2030 will Volkswagen sechs eigene Gigafactories hochziehen. Das kann selbst so ein großer Konzern wie die Wolfsburger nicht alleine stemmen. Technikvorstand Thomas Schmall kann sich deshalb einen Börsengang gut vorstellen.

Firmen zum Thema

Thomas Schmall ist Volkswagen-Technikvorstand.
Thomas Schmall ist Volkswagen-Technikvorstand.
(Bild: Volkswagen)

Aktuell ist Volkswagen in der Batteriebeschaffung noch komplett abhängig von Lieferanten. Das Geschäft gestaltet sich dabei komplizierter als mit klassischen Autozulieferern. Bei Batterien müsse man laut Technikvorstand Thomas Schmall „tiefer in die Lieferkette hineingehen, also hin zu den Vorlieferanten der großen Zulieferer.“

Deshalb will Volkswagen in Zukunft auch auf eigene Batteriefabriken setzen. Allein in Europa will der Konzern mit Partnern für einen zweistelligen Milliardenbetrag sechs Gigafactories mit einer Kapazität von jeweils 40 Gigawattstunden hochziehen. Gut fünf Millionen Pkw jährlich sollen jene Fabriken mit Batterien ausstatten können.

Auch mit einer eigenen Zellfertigung werde man in Zukunft aber noch auf Lieferanten angewiesen sein, kündigte Schmall im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ an. „Wir wollen Zellen selbst herstellen, wollen zugleich aber auch Zellen von außen beziehen“, sagte der Vorstand.

Doch was erhoffen sich die Wolfsburger von einer eigenen Produktion? „Wenn wir die Produktionsprozesse selbst beherrschen, werden wir integraler Teil der vorgelagerten Rohstoffkette. Und wir machen uns unabhängiger von den großen Zelllieferanten. Das ist der Grundgedanke, der uns leitet“, erklärte der Topmanager.

Mehr als 20 Prozent will VW selbst herstellen

Perspektivisch peilt Volkswagen mehr als 20 Prozent Eigenanteil in der Zellfertigung an. Dafür braucht es nach Schmalls Einschätzung externe Geldgeber. „Der Bau von Zellwerken ist extrem teuer“, betonte er und brachte einen Börsengang der Batteriesparte ins Spiel. Davon habe neulich auch Konzernchef Diess bereits gesprochen.

Schmall fügte an: „Um wirklich die beste Lösung zu finden, schließen wir zunächst nichts aus ‒ zumindest für das Zellgeschäft. Das alles wird so groß und so entscheidend für unsere Zukunftsfähigkeit sein, dass man sich sehr genau überlegen muss, wie man das wirtschaftlich gestaltet.“ Eine einzelne Gigafactory ließe sich nicht an die Börse bringen, ist Schmall überzeugt. Deswegen wolle Volkswagen das „auf höherer Ebene“ bündeln.

Die Batteriehoheit ist Volkswagen offenbar so wichtig, dass man sich dabei nicht auf sonst etablierte Partner verlassen will. „Wir gehen stärker ins Risiko – was man als Autohersteller sonst eher den Zulieferern überlässt“, sagte Schmall. „Wir wollen das Batteriegeschäft entscheidend drehen. Wir als Volkswagen wollen auf den Fahrersitz und das operative Geschäft mit den neuen Fabriken steuern“, kündigte der Technikvorstand an.

Nötig machen solche Überlegungen die ambitionierten Elektro-Absatzziele der Wolfsburger. Beispielsweise sollen 2030 bereits etwa 70 Prozent aller in Europa verkauften Neuwagen der Kernmarke VW Pkw reine Elektroautos sein.

(ID:47445004)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Entwicklungsredakteur