Vermietkonzern Autonomes Fahren, Mobilitätsdienste, Elektromobilität: Das plant die nächste Sixt-Generation

Autor Christoph Seyerlein

Konstantin und Alexander Sixt sollen den Vermietkonzern in die Zukunft führen. Letzterer zeigte nun in einem Interview auf, was er und sein Bruder vorhaben.

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In einigen Städten bietet Sixt über seine App nun auch Fahrten mit E-Mopeds von Tier an.
In einigen Städten bietet Sixt über seine App nun auch Fahrten mit E-Mopeds von Tier an.
(Bild: Sixt)

Mitte Juni hatte Erich Sixt die operative Verantwortung für den Autovermietkonzern seinen Söhne Konstantin und Alexander übergeben. Künftig steuern die beiden das Münchner Unternehmen, das längst deutlich mehr Produkte anbietet, als die reine Autovermietung. In einem Interview mit der „Welt“ skizzierte Alexander Sixt nun, wohin sich die Firma entwickeln soll.

Alexander Sixt führt seit Sommer 2021 gemeinsam mit seinem Bruder Konstantin den Münchner Konzern.
Alexander Sixt führt seit Sommer 2021 gemeinsam mit seinem Bruder Konstantin den Münchner Konzern.
(Bild: Sixt)

„Unser Kernfokus liegt auch zukünftig auf unserem Kernsegment Vermietung, wir werden uns nicht verzetteln“, stellte der 41-Jährige klar. Über die Sixt-App könne man über 200.000 Fahrzeuge buchen und mehr als 1,5 Millionen Fahrer in 250 Städten ansteuern. „Unsere Dienste ergänzen sich gut und sind profitabel. Während das Sharing-Geschäft am Wochenende besser läuft als in der Woche, ist es im Mietwagengeschäft genau umgekehrt“, so Sixt.

Wenn Sixt mit anderen Playern zusammenarbeitet, beispielsweise Fahrdiensten, gehe es nicht immer darum maximal daran zu verdienen, erklärte der Co-Chef. Wichtig sei es dabei auch, das Angebot auf der eigenen Plattform zu erweitern.

Eine erweiterte Partnerschaft verkündete Sixt am Montag: In Berlin, Hamburg, Köln und München können Nutzer über die Sixt-App nun auch E-Mopeds des Verleihers Tier buchen.

Trotz der Konzentration auf das bestehende Geschäft will sich Sixt vor Zukunfts-Themen nicht verschließen. Beispiel autonomes Fahren: In der technischen Entwicklung sei man dabei von den Herstellern abhängig, so Alexander Sixt. Doch untätig bleibt der Konzern deshalb nicht. „Wir sehen künftig auch Teile der Wertschöpfung für uns: Die autonomen Flotten müssen betrieben werden, die Autos an den richtigen Platz gebracht werden, mit entsprechender Auslastung, sie müssen gereinigt und repariert werden“, merkte der Manager an. „Das könnte unser Anteil am Geschäft sein.“

Ohne 5G keine Sprünge beim autonomen Fahren

Auch technisch bereitet sich Sixt darauf vor: „Wir investieren bis 2025 mehr als 80 Millionen Euro in Telemetrie“, kündigte der 41-Jährige an. Wichtig sei es aber auch, dass hierzulande infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden. „Wenn wir in Deutschland nicht flächendeckend 5G ausrollen, werden wir beim autonomen Fahren keine Quantensprünge machen“, mahnte Alexander Sixt.

Durch die zunehmende Vernetzung der eigenen Flotte sammelt Sixt immer mehr Daten. Dazu stellte der Co-Chef klar: „Alle personenbezogenen Daten gehören dem Nutzer. Andere Daten – wann und wo das Auto übergeben wurde, wann es zurückgekommen ist – sind unser tägliches Brot.“ Pläne, Datensätze zu verkaufen, gebe es aber nicht.

Sixt investiert in öffentliche Ladeinfrastruktur

Ein weiteres Feld, in dem der Vermietkonzern aktiver werden will, ist die Elektromobilität. Alexander Sixt kündigte an: „Wir haben vor vier Wochen beschlossen, dass wir über 50 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investieren. Und zwar in unsere eigenen und in öffentliche Stationen.“ Aktuell habe man schon zwölf „virtuelle Stationen“, die Nicht-Sixt-Kunden perspektivisch nutzen dürfen sollen. Bei der Mobilitätswende gehe es nicht nur um Autos. „Wir brauchen beispielsweise Batteriezellfertigung, Ladesäulen, ein besseres Stromnetz und eine stabile Versorgung“, gibt der 41-Jährige zu bedenken.

Bei allen eigenen Vorhaben setzt Sixt auch künftig Partnerschaften mit der Automobilindustrie. Doch ist das eine sichere Bank? Schließlich hat beispielsweise erst kürzlich Volkswagen angekündigt, den Sixt-Konkurrenten Europcar zu übernehmen. „Wir sind schon immer in den teilweise gleichen Marktsegmenten aktiv: So gehörte beispielsweise Europcar schon einmal zu VW und der Konzern betreibt seit Jahrzehnten die Autovermietung Euromobil, ein Carsharing-Unternehmen und bietet Fahrdienste an. Gleiches gilt zum Beispiel für Daimler und BMW“, sagt Alexander Sixt dazu.

Dennoch glaube man an einen „partnerschaftlichen Ansatz“ mit den Herstellern. Die Mobilitätswende schaffe man nur gemeinsam, ist Alexander Sixt überzeugt. „Der Mobilitätsmarkt ist komplex, neue Angebote schaffen wir besser miteinander als gegeneinander.“

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