Elektromobilität „Anachronismus wie Telefonhäuschen“: Streit um EC-Terminal-Pflicht an Ladesäulen

Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Ohne Ladekarte kann das Bezahlen an öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos zum Problem werden. Sollte deshalb jede Stromtankstelle mit einem EC-Kartenlesegerät ausgestattet sein? Die Meinungen dazu gehen weit auseinander.

Vor der Abstimmung über eine neue Ladesäulenverordnung im Bundesrat wird darüber diskutiert, wie diese sich auswirken würde.
Vor der Abstimmung über eine neue Ladesäulenverordnung im Bundesrat wird darüber diskutiert, wie diese sich auswirken würde.
(Bild: Seyerlein/VCG)

Wirtschaftsverbände haben sich vehement gegen eine Kartenlesegeräte-Pflicht an öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos ausgesprochen. „Veraltete Technologien“ wie EC-Kartenterminals seien ein Rückschritt, der zusätzliche Kosten für die Nutzer verursache und das Innovationstempo bremse, heißt in einem am Donnerstag veröffentlichten Appell des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, des Verbands der Automobilindustrie und des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Zuerst hatte die „Welt“ darüber berichtet.

Die Kreditwirtschaft dagegen pocht auf offene Bezahlsysteme an öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos. „Im Sinne der Verbraucher muss man an jeder Ladesäule mit der Karte bezahlen können, die man im Portemonnaie hat“, hatte Karl-Peter Schackmann-Fallis, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), der Deutschen Presse-Agentur gesagt.

Der Bundesrat stimmt am Freitag kommender Woche über eine von der Bundesregierung vorgelegte überarbeitete Ladesäulenverordnung ab. Demnach sollen Betreiber von öffentlich zugänglichen Ladepunkten die kontaktlose Zahlung mit mindestens einer gängigen Debit- oder Kreditkarte anbieten. Dies soll für alle neuen Ladesäulen gelten, die vom 1. Juli 2023 an in Betrieb gehen.

„Braucht 2030 kein Mensch mehr“

Im Appell der drei Verbände heißt es: „Vom Online Handel über soziale Netzwerke bis hin zum Arbeitsplatz. Im Jahr 2030 werden digitale Lösungen in allen Lebensbereichen die Regel und nicht die Ausnahme sein.“ Elektromobilität sei nicht anders. „EC-Kartenterminals als teure Back-Up-Bezahloption braucht in 2030 kein Mensch mehr. Sie sind dann ein Anachronismus wie Telefonhäuschen heute als Back-up für Smartphone-Nutzer."

Weiter heißt es: „Wir wollen eine hohe Innovationsdynamik bei den Elektromobilitätsdiensten, einen ungebremsten Ausbau der Ladeinfrastruktur und kostengünstige, einfache Lösungen für die Elektromobilistinnen und -mobilisten.“ Das gehe nur digital.

„Wir fordern daher die Bundesregierung und die Bundesländer auf, diesen Weg zu unterstützen. Machen Sie den Weg frei für digitales, mobiles und einfaches Laden.“ In der Ladesäulenverordnung solle auf verpflichtende Vorgaben für Kartenlesegeräte verzichtet werden.

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