Blablacar „Als wir gepitcht haben, sagten viele: 100.000 Nutzer wären ein Wunder – heute haben wir 100 Millionen“

Autor Christoph Seyerlein

In diesen Tagen wird Blablacar 15 Jahre alt. Das Unternehmen hat eine rasante Entwicklung hingelegt. Wir haben mit CEO Nicolas Brusson darüber gesprochen, wie sich die Geschäfte entwickeln und worauf sich Blablacar derzeit besonders fokussiert.

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Am stärksten wächst Blablacar mit seinem Bus-Geschäft außerhalb Europas.
Am stärksten wächst Blablacar mit seinem Bus-Geschäft außerhalb Europas.
(Bild: Blablacar)

Blablacar hat Grund zum Feiern: Einerseits, da das Unternehmen in diesen Tagen 15 Jahre alt wird. Andererseits, weil die Mobilitätsplattform immer schneller wächst. Inzwischen habe man weltweit die Marke von 100 Millionen Nutzer geknackt, wie Co-Gründer und CEO Nicolas Brusson im Gespräch mit »Next Mobility« erklärte.

„Als wir 2007 unsere Idee gepitcht haben, sagten viele, dass 100.000 User ein Wunder wären“, blickte Brusson zurück. Zuletzt hätten sich pro Woche zwischen 350.000 und 400.000 neue Nutzer bei Blablacar registriert. „Das zeigt, dass Mitfahrgelegenheiten mittlerweile Mainstream sind“, so der CEO. Allein in den vergangenen vier Jahren hat sich die Zahl der Blablacar-User weltweit in etwa vervierfacht.

Mehr als 70 Prozent aller Aktivitäten außerhalb Europas

Besonders rasant entwickelt sich das Unternehmen derzeit außerhalb Europas. Bereits 70 Prozent aller Blablacar-Aktivitäten finden auf anderen Märkten statt. Gerade im Bus-Geschäft wächst die Marke beispielsweise in Brasilien, der Ukraine oder Russland stark.

Auch in Deutschland versucht sich Blablacar daran, im Fernbusgeschäft den Wettbewerb mit Platzhirsch Flixbus aufzunehmen. Die Voraussetzungen sind aber andere als anderswo. Einerseits, da der Markt lange staatlich reguliert wurde. Andererseits, da er im internationalen Vergleich nicht zu den großen zählt. „In Deutschland ist der Bus-Markt etwa 400 Millionen Euro schwer. In Brasilien dagegen umgerechnet rund 7 Milliarden Euro“, schilderte Brusson.

Aber auch hierzulande kommt Blablacar voran. Zwar habe man noch nicht wieder das Vor-Corona-Pandemie erreicht, räumt Brusson ein. Zuletzt habe man aber an Momentum gewinnen können. Dabei profitiert die Marke stark von äußeren Umständen wie dem Bahnstreik vor einigen Wochen oder den zuletzt rasant gestiegenen Sprit-Preisen.

Allein in den vergangenen drei Wochen sei die Zahl der angebotenen Sitzplätze bei Blablacar um 14 Prozent gestiegen, erklärte Brusson. Während des Bahnstreiks hätte sich die Aktivität in Deutschland auf der Plattform schlagartig versechsfacht. Das zeige, dass Mitfahrgelegenheiten besonders dynamisch auf Entwicklungen reagieren könnten.

Insgesamt zählt Blablacar in Deutschland aktuell rund 8 Millionen registrierte Nutzer. Rund jeder zehnte Deutsche ist also bei der Plattform angemeldet. Gewinne erzielt die Marke trotz jener Zahl hierzulande allerdings noch nicht. Auch deshalb will Brusson mit seinem Team das Geschäft erweitern. „Wir wollen unsere Angebote in ländlichen Gebieten ausbauen. Die großen Städte sind meist gut miteinander verbunden. Aber dazwischen liegen viele Ziele, bei denen das nicht so ist. Wir arbeiten mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz aktuell an Modellen, die es für Fahrer attraktiver machen sollen, solche Orte anzufahren, um jemanden mitzunehmen“, sagte der CEO.

„Wir wollen unsere Nutzer auf dem Boden behalten“

Zudem arbeitet Blablacar auch an der Integration von Zügen in das eigene Angebot. „Das wird etwas dauern, aber wir sind dran. Unsere User sollen Züge, Busse und Carpools optimal kombinieren können“, so Brusson. Flugzeuge sollen bei Blablacar dagegen keine Rolle spielen. „Da sehen wir keine Überschneidungen. Und das hat auch aus Umwelt-Gesichtspunkten für uns überhaupt keinen Sinn. Wir wollen unsere Nutzer auf dem Boden behalten“, merkt der Manager an.

Mit den bisherigen 15 Jahren Blablacar zeigte sich der Mitgründer sehr zufrieden. „Mich freut es besonders, dass wir es als europäisches Unternehmen geschafft haben“, sagte Brusson. „Ich war einige Zeit im Silicon Valley, dort werden Ideen aus Europa häufig etwas belächelt. Deshalb macht mich das besonders stolz.“ Strategisch würde er im Rückblick nur kleine Anpassungen vornehmen. „Ich würde nichts Grundlegendes anders machen, nur teilweise wahrscheinlich schneller. Wir hätten vielleicht ein, zwei oder drei Jahre früher multimodaler werden können, vor allem außerhalb Europas.“

Weitere Infos zu Blablacar

Blablacar ist ein Reisenetzwerk, über das Fahrgemeinschaften und Busfahrten in 22 Ländern geteilt werden. Weltweit werden monatlich eine Million Ziele bedient. Die über 100 Millionen Mitglieder sind im Schnitt 30 Jahre alt. Die durchschnittliche Distanz pro Reise via Blablacar liegt bei 280 Kilometern. Für das Unternehmen arbeiten 700 Beschäftigte in 7 Ländern.

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