Personenverkehr Ältere Menschen meiden wegen Corona Bus und Bahn

Autor / Redakteur: sp-x / Tanja Schmitt

Aus Mobilitäts-Sicht gehören der ÖPNV und der Flugverkehr zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. Radfahren und Zufußgehen liegen dagegen voll im Trend – was jedoch auch jede Menge Konfliktpotenzial birgt.

Firma zum Thema

ÖPNV in Zeiten von Corona.
ÖPNV in Zeiten von Corona.
(Bild: MAN Truck & Bus)

Die Corona-Pandemie hat bei vielen Deutschen zu einem Umdenken zur eigenen Mobilität geführt. So gaben jetzt knapp 40 Prozent an, ihr Mobilitätsverhalten ändern zu wollen. Dabei geht der Trend klar zu mehr Fußgängern (plus 64 Prozent) und Radfahrern (plus 50 Prozent). Auf Flüge wollen die Befragten zukünftig deutlich häufiger verzichten (-64 %). Doch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wollen künftig wesentlich weniger Menschen nutzen (-43,5 %), besondere ältere Menschen (-51 %) wollen nicht mehr einsteigen.

Die repräsentative Umfrage der Initiative für sichere Straßen mit dem Marktforscher „OmniQuest“ zeigte unter den Veränderungswilligen außerdem den deutlichen Wunsch zur Einführung von mehr Home-Office (+39 %). Neben der Initiative zur Früherkennung von Gefahrenstellen im Straßenverkehr durch Smart Data sind dies die Partner im Projekt: Institut für Straßenwesen der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, die Deutsche Hochschule der Polizei – Fachgebiet Verkehrswissenschaft & Verkehrspsychologie, Münster, die PTV Planung Transport Verkehr AG, Karlsruhe und DTV-Verkehrsconsult GmbH, Aachen. Sie fanden auch heraus, dass der Verkehr teilweise schon wieder Vor-Krisen-Niveau erreicht hat.

Konnten die Experten zu Beginn der Pandemie im März 2020 noch einen deutlichen Rückgang der Verkehrsbelastung feststellen, so hat sich der Verkehr inzwischen wieder normalisiert. „Wir haben fast die Verkehrsstärken von 2019 wieder erreicht, wenn wir die Auswertung unserer zahlreichen Dauerzählstellen ansehen“, sagt Thorsten Kathmann von der DTV-Verkehrsconsult.

Höheres Konfliktpotenzial zwischen Auto- und Radfahrern

Trotz des signifikanten Mobilitätsrückgangs in den Corona-Lockdown-Phasen, fiel der Rückgang der Unfallzahlen für das Jahr 2020 vergleichsweise niedrig aus. Die Zahl der Unfälle mit verletzten oder getöteten Radfahrern stieg sogar an. Der durch die aktuelle Studie erfasste Trend zu deutlich mehr Radfahrten birgt das Risiko vermehrter Konfliktsituationen zwischen Zweirädern und Kfz. Daher erwarten die FeGiS-Forscher zukünftig eine weiter wachsende Anzahl an Gefahrenstellen.

„Die Verkehrsteilnehmer werden durch komplexere Verkehrssituationen zunehmend gefordert. Zu hohe Geschwindigkeit, ungenügender Abstand und Fehler beim Abbiegen sind die Hauptursachen für Unfälle mit Personenschäden. 25 Prozent der Unfälle mit Getöteten werden durch nicht angepasste Geschwindigkeit verursacht. Mit zunehmend mehr Radfahrern, insbesondere auch E-Bikern, auf der Straße und geringer Radverkehrsinfrastruktur wird sich diese Situation weiter zuspitzen“, prognostiziert Christine Sutter von der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, ebenfalls Mitglied des FeGiS-Teams.

Die Auslastung der Züge bei der Deutschen Bahn hinkt noch immer weit hinter den Vor-Corona-Zahlen hinterher. Bei der aktuellen Corona Mobilitäts-Umfrage hatten denn auch rund 45 Prozent der Befragten angegeben, die Bahn als Verkehrsmittel zur Fahrt in den Urlaub zukünftig weniger nutzen zu wollen.

Deutsche wollen weniger fliegen und Bahn fahren

Noch deutlicher fiel die Ablehnung beim Thema Fliegen aus: 64 Prozent gaben an, zukünftig weniger oder viel weniger per Flugzeug reisen zu wollen. „Neben dem Thema Corona spielt hier sicher auch die Klima-Diskussion eine Rolle. Und in der Pandemie ist offenbar zudem ein Bewusstsein entstanden, dass viele Dienstreisen auch durch Online-Meetings effizienter und umweltschonender gestaltet werden können“, ist Arno Wolter von der Initiative für sichere Straßen überzeugt.

Das Projekt FeGiS+ (Früherkennung von Gefahrenstellen im Straßenverkehr durch Smart Data) will Risiken und Gefahrenpotentiale im Straßenverkehr frühzeitig identifizieren und Verkehrsunfälle vermeiden. So soll ein Beitrag zu mehr Sicherheit auf den Straßen geleistet und die Nutzung bestehender sicherheitsrelevanter Daten sowie die Erschließung neuer relevanter Datenquellen forciert werden.

(ID:47502444)